Bahnhofsplatz Karlsruhe

Reduktion als Planungsprinzip - Die Sinnlichkeit des Einfachen

Der erkennbar zunehmenden Verspektakelung von Stadträumen wollen wir entgegenwirken, entgegenwirken mit Ruhe und Zurückhaltung.
Schlicht und unaufdringlich, dennoch einen sorgfältig und hochwertig gestalteten Stadtraum zu schaffen ist unser Ziel. Wir vertrauen ganz auf die räumliche Qualität des historisch gewachsenen Platzes, wir wollen alles in den Dienst einer großen Einheitlichkeit stellen, ohne von wechselnden Moden bestimmten Details.
Die einheitliche Belagswahl Basaltgroßsteinpflaster mit gesägter Oberfläche bietet hierbei eine zurückhaltend einfache und konsequente Unterstützung dieser Zielvorstellung. In diese neue, platzumfassende Fläche legen wir eine Hellere, die nicht den bloßen Verlauf der Straßenbahnschienen markiert, sondern die Platzproportion aufnimmt und differenziert wiederspiegelt. Gleichzeitig wird diese Fläche durch Farb-, Material- und Formatwechsel als Aufmerksamkeitsbereich wahrgenommen, aus dem heraus sich die neue Topografie der Bahnsteige entwickelt. Die stark längsgerichteten Werksteine in Großformaten stehen im Dialog mit dem umgreifenden Pflasterbelag.
Die in Karlsruhe liebgewonnenen, bestehenden Gittermasten erhalten wir, sie begleiten den Belagswechsel in der dritten Dimension.
Die neuen Bahnsteigüberdachungen folgen unserem Ziel nach Einfachheit. Vier baugleiche Einzelelemente folgen der Rhythmisierung durch die bestehenden Lichtmasten. Stahlstützen, in denen Dachabläufe, Abfallbehälter, Fahrplaninformationen integriert sind, und die Wartebänke dazwischen spannen tragen die leichte Dachkonstruktion, die wir vollflächig mit einer strapazierfähigen Folie unterspannen und hinterleuchten. Die klaren Lichtflächen kontrastieren die Punktbeleuchtung der Masten und geben sich als neues Gestaltelement zu erkennen.
Den Infobereich mit Fahrkartenverkauf schlagen wir zugunsten der freien Platzfläche in den beiden Vorbauten am Bahnhofshaupteingang vor, die richtige Stelle für diese Nutzung. Das neue Vordach greift bewusst durch seine deutlich reduzierte Länge nicht in den „inneren Platzbereich“ ein, in seiner Gestalt folgt es den Haltestellenüberdachungen. Das Bahnhofsgebäude befreien wir von seiner westlichen Dachzutat und stellen die Fassade frei. Die zweiachsige Baumreihen im Bereich des östlichen und westlichen Gebäuderücksprungs bieten Aufenthaltsqualität, maßstäbliche Ruhezonen mit vielfältigen Blickbezügen. Den Taxistand positionieren wir entlang dem südlichen Haltestellendach, die ehemalige Tiefgaragenzufahrt nutzen wir als neuen Standort der Kfz-Parkplätze und räumen den Bahnhofsvorplatz auch hier von ruhendem Verkehr frei.
Ein Konzept ästhetischer Nachhaltigkeit, ein Konzept, das dem Karlsruher Bahnhofsvorplatz trotz gestiegener Anforderungen an die verkehrlichen Belange und Bedürfnisse ohne historisierende Kulissenmalerei seinen ursprünglichen städtebaulichen Charakter mit sprödem Charm wiedergibt.

Daten:

Auslober:Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH, Karlsruhe 
 Stadtplanungsamt, Karlsruhe 
Wettbewerbsart:einstufiger, begrenzt offener Ideen- und Realisierungs- 
 wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren 
Jahr: 2008 
Team: Peter Fink 
 Claudia Habrik 
 Niklas Mühlich 
 Klaus Abele 
Objektadresse:Bahnhofsplatz, Karlsruhe