Erweiterung der staatlichen Realschule Vöhringen

Gerüstet für die Zukunft
Neben den festgestellten Raumdefiziten erkennen wir über die über Jahre hinweg gewachsenen Gebrauchsspuren hinaus Defizite im Ankommen, in der inneren Erschließung, in der Raum- und Bereichszuordnung und in der fehlenden Barrierefreiheit.
Nicht die bloße Flächenergänzung an die über mehrere Zeitschichten heterogen gewachsene Bausubstanz und deren oberflächliche Auffrischung kann hier die Lösung sein, nutzen wollen wir die geplante Sanierungs- und Ergänzungsaufgabe zur grundsätzlich konzeptionellen Neuordnung!
Bündelung sämtlicher Klassenräume im Ursprungsbau mit seiner beindruckenden Halle, Konzentration aller Fachklassen im östlichen, zweiten Bestandsgebäude und unserem neuen Ergänzungs- und Verbindungsbau und Ausbau des bestehenden Verwaltungsbereiches zur zentralen Anlaufstelle.
Ein Klassentrakt, ein Fachklassentrakt und die Verwaltung, einfach, übersichtlich, logisch.
Die Erschließung wollen wir ebenso klar strukturieren. Eingangshof, Pausenhalle, Pausenhof, alle drei in Reihe, unmittelbar verbunden und zusammenhängend erlebbar. Die „Sackgassen“ in den nördlichen Galeriefluren der Obergeschosse wollen wir auflösen. Über alle Ebenen schaffen wir hier eine konsequente und barrierefreie Fortführung der Wege über den neuen Zwischenbau zum Fachklassentrakt. Kurze Wege, attraktive Wege und eine klare, übersichtliche Erschließungsstruktur sind unser Ziel.
Die geforderte Barrierefreiheit nach DIN 18024 für alle Aufenthaltsräume - auch hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit mehr als sinnvoll - erreichen wir denkbar einfach. Zusammen mit der im Zwischenbau geplanten Rampen benötigen wir lediglich einen Aufzug – positioniert am neuen Eingangsbereich - wichtig in der Bewertung zukünftiger Betriebs- und Wartungskosten. Die Schulküche schlagen wir konsequent ebenfalls in dem vom Aufzug erschlossenen Bereich vor und verlagern Abstellraum/Archiv an deren Stelle, ein sinnvolles Tauschangebot. Im Untergeschoss schaffen wir zudem einen großzügigen Vorbereich vor den beiden Werkräumen, Zugangs-, Aufenthalts- und Ausstellungsbereich gleichermaßen, ein Kniff der Licht und Ausblick in die bisweilen dunkle und wenig attraktive Flurzone bringt, den Kellerscharm aufbricht, ein kleiner Flächenluxus mit hoher Wirkung.
Mehrzweckraum im Erdgeschoss, Kunst im ersten und Musik im zweiten Obergeschoss, so die Raumstruktur unsers neuen Zwischenbaus. Den Musiksaal orientieren wir mit Auskragung raumhoch geöffnet Richtung Norden, ein musisches Atelier mit starker Blickbeziehung zur benachbarten Kirche und Baumbestand. Die schmale Oberlichtverglasung entlang der Flurwand setzt darüber hinaus einen charmanten Belichtungsakzent.
Den möglichen Standort der Erweiterung um einen Ganztagesbereich haben wir sorgfältig abgewogen. Den neuen Eingangshof am Stadtbach mit Blick zur benachbarten Kirche wollen wir seiner zukünftigen Qualität als neues Entree wegen keinesfalls überbauen. Eine mögliche Aufstockung des Verwaltungsbereichs ist prinzipiell möglich, jedoch für die Mensa- und Küchennutzung wenig optimal. Im östlichen Grundstücksbereich hingegen schlummert ein bislang ungeachtetes Flächenpotential, gut und konsequent an die innere Erschließungsstruktur anzubinden, von außen optimal für die zukünftige Anlieferung erreichbar und ganz nebenbei eine gestalterische Aufwertung des derzeitigen Knochensteinpflasterscharms. Die innere Anbindung bereiten wir gleich vor, ein späteres bauliches Andocken ist hier denkbar unproblematisch und sollte die Erweiterung nicht erfolgen erschließen wir somit ein weiteres, attraktives Freiflächenpotential. Bei dieser Gelegenheit wollen wir den in Baumarktoptik überdeckten Nebeneingang und Fluchtweg korrigieren, wir verlegen die Treppe ganz einfach ins Haus.
Den Verwaltungsbereich bauen wir weiter aus. Das vorhandene bauliche Angebot des Fahrradraums nutzen wir – auch aus Kostengründen - und positionieren hier den Raumverbund aus Lehrerzimmer, Stillarbeit und Bibliothek. Neue Wandbauteile - mobil und in Glas - dennoch blickdicht wo notwendig schaffen eine von Offenheit geprägte Atmosphäre, eine positive Ausstrahlung für Lehrer und Schüler gleichermaßen.
Den bisherigen Haupteingang wollen wir konsequent verlegen, das wenig großzügige „Einfädeln“ über den Flur des Verwaltungsbereichs lösen wir mit einem neuen Erschließungsweg, ein Schritt der die bestehende Halle in den Mittelpunkt rückt und zusammen mit den beiden Außenräumen eine Abfolge attraktiver Orte mit hoher Aufenthaltsqualität entsteht lässt. Alles bereits da, neu verknüpft, neu entdeckt! Die Bushaltestelle verlegen wir in die Winterstraße, ein nicht zwingender aber empfehlenswerter Positionstausch.
Die energetische Ertüchtigung der Fassaden wollen wir nutzen, nutzen für ein neues Gestaltungskonzept. Die Einzelfenster der Lochfassade fassen wir dem Umbau im laufenden Betrieb und der Kosten wegen ohne Eingriffe in die konstruktive Gebäudestruktur zu Fensterbädern zusammen. Die strukturelle Verbesserung und Weiterentwicklung steht an erster Stelle, dennoch wollen wir dem Gebäude auch ein neues Gesicht geben, ein neues Erscheinungsbild das die Veränderungen auch nach außen sichtbar macht. 
Ein Konzept mit hohem Nachhaltigkeitsanspruch - weit über die bloße energetische Betrachtung hinaus - ein Konzept für die Zukunft, die neue Realschule Vöhringen.


Daten:

Auslober: Landkreis Neu-Ulm 
Wettbewerbsart: Plangutachten 
Jahr:  2009 
Team:  Peter Fink 
  Claudia Habrik 
  Klaus Abele 
Objektadresse: Winterstraße 1 
  89269 Vöhringen