Erweiterung Walter-Eucken-Schule, Karlsruhe

Sanfte Ergänzung                                                                                                                  

Maximaler Erhalt des Bestandes – strukturell, konstruktiv und ästhetisch - außen wie innen, also minimale Eingriffe in die Gebäudesubstanz und minimale Eingriffe in die Außenanlagen und deren Wegebeziehungen sind unser Ziel.

Alle Klassenräume orientieren wir nach Osten, alle in den Obergeschossen. Vier Raumachsen ergeben sehr gute Raumproportionen, vier Raumachsen auf vier Geschossen ergeben 16 Räume. 14 davon Klassenräume, 2 mit weiteren Gruppennutzungen an den Verbindungen zum Bestand im 1. und 3. Obergeschoss, denkbar klar und einfach. Dazwischen ein Hof mit Hochgarten – ein einfacher, dennoch wirkungsvoller Außenraum - netzumspannt als bauliches Bindeglied mit klarer räumlicher Definition, Belichtung und Brandschutz einfach gelöst. Im Hof die beiden Treppenelemente – alt und neu - dem bestehenden Treppenturm, den wir als 2. baulichen Rettungsweg auch für den Neubau aktivieren, stellen wir ein neues Treppenhaus mit den erforderlichen Nebenräumen gegenüber. Holzverschalt als Gegenstück zur Brettschalung des Sichtbetontreppenturms, die Schalung auf Lücke, Licht und Blickkontakt garantiert. Die weitere Materialwahl folgt dieser Auffassung, Sichtbeton als ergänzende Fassade, Fenster und Sonnenschutzlamellen aus Hartholz, einfach, naturbelassen und im Kontext zum Bestand. Der vorgeschlagene Aufzug scheint uns unverzichtbar, die autarke Nutzbarkeit für externe Veranstaltungen kann nur so sinnvoll losgelöst vom Bestand erfolgen. Dieser Auffassung folgt auch der eigene Zugang vom Pausenhof im Süden mit entsprechendem Vorbereich, autark und bestandsvernetzt.

Den Schülerarbeitsbereich mit der erforderlichen Reihenbestuhlung positionieren wir im Erdgeschoss unmittelbar an die bestehende Aula als Angebot zur möglichen räumlichen Verbindung – ein Mehrwert - nicht zwingend, jedoch sinnvoll wie wir meinen.

Die bestehenden Wege inklusive der Bepflanzungen im gesamten Außenbereich bleiben unberührt, lediglich im Anschlussbereich erfolgen Ergänzungen, ein respektvoller Umgang mit dem Bestand. Der grüne Hof erhält seine Basis im ersten Obergeschoss.

Das Technikkonzept soll der Klarheit und Einfachheit unserer Entwurfsauffassung nach dem Grundsatz „so wenig Technik wie möglich, so viel wie nötig“ folgen. Die Decken bleiben unverkleidet - Sichtbeton – den erforderlichen Schallschutz gewährleisten die Oberflächen der fest eingebauten Schrankmöblierung zwischen Klassenräumen und Fluren. Unverzichtbare Voraussetzung für die angestrebte Nachtlüftung und die sinnvolle Realisierung einer thermischen Bauteil-, Betonkernaktivierung. Den sommerlichen Wärmeschutz gewährleisten wir u.a. durch die Klassenraumorientierung und durch feste Sonnenschutzlamellen vor der Fassade. Den geschossweisen Technikraum, den WC-Kern und den Aufzug bündeln wir kompakt am zentral gelegenen Schacht.

Alles in Allem eine Ergänzung, die den Bestand nicht mit aktuellen Technologiekenntnissen zu korrigieren versucht, nicht mit neuer Gestalt und schickem Kleid überhüllt, vielmehr seine Kraft aus der Aufmerksamkeit gegenüber dem Bestand entwickelt und Beide eigenständig miteinander verknüpft.

Soziokulturelle Aspekte sind gleichberechtigt! Gebäude, in denen sich Menschen aufhalten sollen, ein hohes Maß an Wohlbefinden gewährleisten. Das Interesse am Erhalt von Gebäuden, an ihrer Bestandspflege als Zeitzeugen, an behutsamer Anpassung sind Faktoren nachhaltigen Bauens, die neben den allgemein ökologischen und ökonomischen Aspekten gleichermaßen in die Gestaltung einzubeziehen sind, so auch die umfassenden Empfehlungen im Leitfaden Nachhaltiges Bauen.


Daten:

Auslober:Stadt Karlsruhe 
Wettbewerbsart:VOF-Verfahren 
Jahr: 2009 
Team: Peter Fink 
 Claudia Habrik 
 Daniele Ricci 
 Klaus Abele 
 INUTEC GmbH, Herr Heil 
Objektadresse:Ernst-Frey-Straße 2 
 76135 Karlsruhe