St. Elisabeth, Ulm

Gerüstet für die Zukunft

Neben den festgestellten baulichen Mängeln mit ihren über die Jahre hinweg gewachsenen Gebrauchsspuren im Bestand erkennen wir Defizite im Ankommen, in der Orientierbarkeit und Auffindbarkeit der einzelnen Nutzungen, in der inneren Erschließung, in der Raum- und Bereichszuordnung und in der fehlenden Barrierefreiheit.
Nicht Teilverbesserungsbemühungen unter Beibehaltung der Bestandsgebäude mit erheblichen baulichen und zudem kostenintensiven Eingriffen kann hier die Lösung sein, nutzen wollen wir die Aufgabe zur grundsätzlich konzeptionellen Neuordnung!

Der Kirchplatz gewinnt an Bedeutung, er wird zentrale Anlaufstelle für alle gemeindlichen Nutzungen. Kirche, Gemeindehaus, Pfarrbüro und Kindergarten sind von hier erschlossen, ein Ort der Begegnung, ein lebendiger Treffpunkt aller Altersschichten – räumlich neu gefasst - verzahnt mit seiner Umgebung in alle Richtungen. Über die großzügige Freitreppe mit der Söflinger Straße, über die Gebäudefuge mit Rampe zur Elisabethenstraße, über die neue Wegeverbindung zur Blücherstraße und über eine Lücke im Basisgeschoss mit dem neu definierten Hofraum und über ihn hinweg Richtung Gneisenaustraße. Eine starke Verknüpfung des kirchlichen Standortes mit der Stadt!

Städtebaulich schaffen wir ebenfalls Klarheit. Entlang der Söflinger Straße formulieren wir eine neue Raumkante, das Gemeindehaus zeigt hier als raumbildende Ergänzung zweigeschossig Präsenz, sowohl städtebaulich als auch inhaltlich, der Saal als einladende Geste.
Die südlich bestehende Blockrandbebauung führen wir dreigeschossig fort und bilden einen Hof der durch seine Durchwegung, öffentlichen Freiflächen und Offenheit die Nachbarn zum Mitmachen animiert und so zu einem wahrnehmbaren und erlebbaren Grünraum mit hoher Qualität wird. Die Freifläche des Kindergartens ist ganz selbstverständlich Teil des Ganzen ohne auf die erforderliche, sichere Abgrenzung verzichten zu müssen. Ein Ort ohne Berührungsängste, auch hier ein Ort aller Generationen, Stadt!

Die Funktionale Schichtung ist denkbar einfach. Kirchliche Nutzungsangebote im Erdgeschoss, die Zugänge gebündelt am Kirchplatz, Wohnen darüber, die Zugänge an der neuen Wegeverbindung Elisabethenstraße / Blücherstraße. Die Pfarr- und Einliegerwohnung im Punkthaus mitten im Quartier, oder am Rand in den Obergeschossen, ganz nach gegebenen Vorlieben.
Die wertvollen Flächenressourcen lassen wir nicht ungenutzt, insgesamt 21 Wohnungen mit geschützten Freibereichen und einem Gemeinschaftsraum beleben das zusammenwachsende Quartier. Durch die koppelbare Grundrisstypologie sind sowohl Single-, Paar- als auch Familienwohnungen möglich, je nach Marktbedürfnissen. Beste Voraussetzung für ein lebhaftes Bewohnermix.
37 Stellplätze in der Tiefgarage geben angemessene Antwort auf die zu klärende Frage des ruhenden Verkehrs. Reichlich Besucherparkplätze entlang der Blücherstraße bieten den Veranstaltungsteilnehmern ausreichend Platz auf dem vorhandenen Grundstück und machen kostenaufwendige Eingriffe in das Straßenprofil der Elisabethenstraße unnötig.
Die Finanzierung der neuen Bausteine Gemeindehaus, Pfarrbüro, Kindergarten, Pfarrwohnung und Sakristei getragen von der auch städtebaulich gewinnbringenden Nachverdichtung eines bislang ungenutztem Flächenpotential: neben energetischen und damit Ressourcensparenden Vorteilen ein echter Mehrwert für Erscheinung, Präsenz und Erlebbarkeit der Kirchengemeinde in der Öffentlichkeit.


Daten:

Auslober:Katholische Kirchengemeinde St. Elisabeth, Ulm
Wettbewerbsart:Einstufiger, nicht offener städtebaulicher
 Ideenwettbewerb 
Jahr: 2010 
Team: Peter Fink 
 Claudia Habrik 
Objektadresse: Söflinger Straße / Elisabethenstraße / Blücherstraße 
 89077 Ulm