Erweiterung Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Triesdorf

Vorhandenes konsequent weiterentwickelt

Die vorhandene Symmetrieachse des markgräflichen Gutshofes zu dem bestehenden Hochschulgebäude bauen wir konsequent weiter und leiten die neue, bauliche Körnung aus der vorgefundenen Struktur des Ortsbildes ab. Auch in der Höhenentwicklung wollen wir uns am Bestand orientieren. Eine nachhaltige Innenentwicklung auf dem bestehenden Hochschulcampus, wie wir meinen.
Darüber hinaus ist uns hier, am Ortsrand die Landschaftsverzahnung ein besonderes Anliegen. Durch die neuen Hofräume vernetzen wir die Landschaft tief mit der baulichen Struktur. Die Idee des nordöstlichen, bestehenden Hofraums wollen wir stärken, ihn an das Wegenetz anbinden und in seiner Bedeutung deutlich aufwerten. Die Achse setzt sich in die Landschaft fort, ganz selbstverständlich entsteht so ein neuer Zugang über den wir die neuen KfZ-Stellplätze gegenüber an den Haupteingang anbinden.

Trotz der erforderlichen, baulichen Eile im ersten Abschnitt erreichen wir nach Fertigstellung ein erkennbares Gesamtkonzept hinsichtlich städtebaulicher Struktur, funktionaler Zusammenhänge, konstruktiver Belange und unserer gestalterischen Ziele. Erster und zweiter Abschnitt verbinden sich mit dem Bestand zu einem Ganzen.
Ein abgelöster Solitär kam für uns nicht in Frage, auch funktional bedingt. Das innenräumliche Wegenetz verbindet alle Funktionsbereiche schlüssig, teilt nicht in Neu- und Altbau und trägt somit auch zum erlebbaren Ganzen bei.

Als ersten Abschnitt bauen wir den nördlichen Gebäuderiegel mit Abstand – der auch einen Durchgang ermöglicht - profilgleich weiter. Der bauliche Anschluss ist damit denkbar unproblematisch, der Wechsel von Pult- zu Flachdach ebenfalls.
Im zweiten Abschnitt ergänzen wir den südlichen Gebäuderiegel ebenfalls profilgleich – den Abstand bildet hier die Flurzone - und schaffen so einen gefassten Zugangshof, einen Platz der auch in Verbindung mit dem Gasthaus Adler – zukünftig Cafeteria - attraktiver Treffpunkt und Kommunikationsort ist.
Über eine Brückenkonstruktion im ersten Obergeschoss verbinden wir Abschnitt Eins und Zwei, gleichzeitig gliedern wir damit signifikant diesen Freibereich. Die Barrierefreiheit aller Räume lösen wir mit lediglich einem zusätzlichen Aufzug.
Baulich versetzt führen wir die neuen Baukörper Richtung Süden fort, bilden damit die beschriebenen Hofräume. An der Schnittstelle Alt / Neu entsteht ein Anlieferhof für die beiden Technikumräume, der über den beibehaltenen Parkierungsbereich gut erschlossen ist.

Die gewählte Holzbauweise macht die Realisierung in kurzer Zeit möglich, damit kann der 1. Abschnitt innerhalb der knappen Zeitvorgabe erstellt werden. Wichtig ist dabei auch die einfache Konstruktion, die Trockenbauweise und der hohe Vorfertigungsgrad.
Die Gründung erfolgt über eine Ortbetonbodenplatte. Darüber sind sämtliche Gebäude als vorgefertigte Holzkonstruktion mit tragenden Wänden in Gebäudelängsrichtung und modular aufgebauten Decken und Dächer als Hohlkastenelemente, in die schon werkseitig die Installationen integriert werden kann vorgesehen. Sie bestehen aus einem Rahmen aus Brettschichtholz und sind mit Sperrholzplatten, teilweise mit Akustiklochung beplankt. Die Gebäudehülle besteht aus hochwärmegedämmten Holzrahmenelementen - ebenfalls vorgefertigt - mit einer hinter lüfteten Fassade. Den Verglasungsanteil wählen wir kleiner 30%.

Kleinere Hörsäle erhalten im Raum integrierte Zu- und Abluftanlagen zur Bereitstellung des hygienisch erforderlichen Luftwechsels. Die Außenluftansaugung und der Fortluftausblas erfolgen über die Fassade innerhalb der Raumebene, dadurch kurze Luftwege mit geringen Druckverlusten.
Große Hörsäale und das Großküchenlabor erhalten jeweils ein eigenes, dachaufgestelltes RLT-Gerät mit integriertem Kälteaggregat, das im Heizfall in Wärmepumpenschaltung - Auskühlung der Raumabluft - betrieben wird. Dadurch ist im stationären Betrieb keine Zusatzheizung zur Außenlufterwärmung erforderlich. RLT-Geräte der Hörsäle sind ausgelegt für den hygienisch erforderlichen Luftwechsel.
Zuluftauslässe sind ausgeführt als wassergekühlte Deckinduktionsdurchlässe für kondensationsfreien, hygienischen Betrieb, dadurch auch geeignet für den Einsatz von Grundwasser zu Kühlzwecken.
Das Anlagenkonzept zur kontrollierten mechanischen Lüftung mit jeweils dem Raum zugeordneten RLT-Geräten bietet einen ökonomischen, bedarfsgerechten und dadurch laufzeitoptimierten Betrieb ohne energieaufwändige Luftförderung über lange Kanalstrecken. Die Anlagenregelung erfolgt nach der Luftqualität, so dass eine belegungsgerechte Frischluftversorgung sichergestellt ist.
Aufgrund der in der Auslobung beschriebenen hydrogeologischen Verhältnisse, wird eine für Kühlzwecke ausreichende Grundwasserverfügbarkeit erwartet. Da die sensible Raumkühllast im Wesentlichen über die wassergekühlten Deckeninduktionsdurchlässe kondensationsfrei abgeführt wird - erforderliche Vorlauftemperatur ca. 16 °C - soll der überwiegende Anteil der Klimakälte über Grundwassernutzung gedeckt werden.
Die raumintegrierten bzw. dachaufgestellten RLT-Geräte sowie die kompakte Anlagentechnik zur Grundwasserkühlung lassen sich auf vergleichsweise kleinen Technikflächen realisieren.
Insgesamt eine nachhaltige Bauweise mit wirtschaftlichem Betrieb und Bauunterhalt.


Daten:

Auslober:Freistaat Bayern 
 vertreten durch 
 Staatliches Bauamt Ansbach, FB Hochbau
Wettbewerbsart:Nicht offener, einstufiger Realisierungswettbewerb nach 
 RPW 2008 im Zuge eines Verhandlungsverfahrens 
Jahr: 2010 
Team: Peter Fink 
 Claudia Habrik 
 Merz Kley Partner ZT GmbH, Dornbirn 
 INUTEC GmbH, Ulm 
Objektadresse: Steingruberweg, Weidenbach - Triesdorf