Neubau Studentenwohnanlage auf dem Campus Oberer Eselsberg, Ulm

Verbunden mit dem Bestand, verzahnt mit der Landschaft

Die umgebende, dreigeschossige Höhenentwicklung greifen wir auf, schaffen so Bezug zum baulichen Bestand Uni West. Den ganz grundsätzlichen Ausblicken des Masterplans von KCAP folgend setzen wir entlang der Albert-Einstein-Allee mit sieben Geschossen – knapp 4m über B-Plan - einen baulichen Akzent mit Signalwirkung und schaffen auch damit Verbindung zur Uni West wo verschiedene Türme architektonisch-städtebaulich akzentuieren. Darüber hinaus ist uns hier, am Bebauungsrand die Landschaftsverzahnung ein besonderes Anliegen. Durch die Hofräume vernetzen wir die Landschaft tief mit der baulichen Struktur ohne die klaren und städtebaulich wichtigen Raumkanten entlang der Albert-Einstein-Allee und der neuen Verbindungsstraße aufgeben zu müssen, ganz im Gegenteil: es gelingt Beides! Im Osten verlassen wir die Strenge Linie und schaffen durch unterschiedlich lange Baukörper eine weiche Bebauungskante, die sich mit unserer konsequenten Freiraumplanung verbindet.
Insgesamt 6 Einzelgebäude bilden ein zusammenhängend wahrnehmbares Ensemble, vier davon realisieren wir im ersten Abschnitt. Selbst wenn den 300 Wohnplätzen die 150 im zweiten Abschnitt nicht zeitnah folgen sichern wir durch diese Struktur einen klaren, baulichen Abschluss des Baufeldes Uni West. Eine Teilabschnittsbildung der weiteren 60 Wohnplätzen in Haus 5 und der 90 in Haus 6 ist ebenso ohne weiteres möglich, je nach Bedarf!

Städtebauliches Fazit:
Wir schaffen Bezug zum Bestand im Osten durch Weiterführung der Gebäudehöhen, Signalwirkung durch Hochpunkt an der Albert-Einstein-Allee, Verzahnung mit der Landschaft im Westen über durchlässige Hofräume, Strenge Raumkante im Norden und Westen, Weiche im Osten und einen bereits im ersten Abschnitt räumlich definierten Abschluss der Uni West.

Den Zugang aller Wohneinheiten unmittelbar an der Albert-Einstein-Allee anzubieten war eines unserer weiteren, wichtigen Anliegen. Ein breiter Boulevard mit Entree am hohen Kopfbau gegenüber der Bushaltestelle erschließt und verbindet mit Ausblicken über die offene Landschaft ins Blau- und Donautal – bei Föhn auch in die Alpen - die einzelnen Gebäude. Mal gedeckt mal offen, mit Rampen in die Fahrradabstellräume, mit Treppenverbindungen in die Hofräume, ausgestattet mit Sitz- und Liegemöbel, ein lebhafter Treffpunkt auf gesamter Strecke, gleichzeitig halböffentliche Nord-Süd-Verbindung mit Anbindung an das vorhandene Wegenetz zur südlichen Landschaftsklinge.

Unmittelbar am Zugang des Ensembles - in Haus 1 - bündeln wir im Erdgeschoss das Hausmeisterbüro mit Empfangsbereich und sämtliche Kommunikations- und Gemeinschaftsräume mit direktem Bezug zum Boulevard, zur Albert-Einstein-Allee und zum Freibereich. Beim Ankommen und Verlassen führt kein Weg daran vorbei! Trotz sehr knappem Flächenbudget schaffen wir großzügige Entreebereiche in allen Häusern, zusätzliche Treffpunkte mit Aufenthaltsqualität.
Lediglich Haus 1 statten wir mit einem Aufzug aus, die Folgenden kommen ohne aus. Aufgrund der durchgängigen Erschließungsebene und den lediglich zwei Obergeschossen gelingt dies bei den durch die Topografie in der Höhe mitwachsenden Gebäuden.

Allen 60 Appartements, 30 Kleinwohnungen und 12 Wohngruppen – vier davon behindertengerecht -gestehen wir im Individualbereich eine lichte Breite von drei Metern zu. In Verbindung mit der daraus resultierenden Tiefe und den wunschgemäß sehr geringen Verkehrsflächen schaffen wir sehr kompakte Baukörper ohne Qualitätseinbußen! Außerdem erreichen wir dadurch ein durchgängig einfaches Konstruktionsprinzip und ein klares Fassadenraster mit hohem Vorfertigungspotential.
Alles klare Indizien für günstige Herstellungskosten und eine energieeffiziente Bauweise, den KfW Standard 55 erreichen wir ohne Probleme!

Bei aller der Wirtschaftlichkeit geschuldeten Kompaktheit achten wir auf ausreichend Gemeinschaftliches. Angefangen beim Boulevard, über die Entrees, die differenzierten Freibereiche schaffen wir in allen Baukörpern an unterschiedlichen Positionen große, zweigeschossige Loggien für Alle, Treffpunkte, Kommunikatoren, herrliche Ausblicke garantiert!
Das Prinzip: Knappe Verkehrsflächen zugunsten ausreichender und unterschiedlicher Gemeinschaftsflächen, jeder soll seinen wechselnden Lieblingsort außerhalb seinem Rückzugsbereich Zimmer finden und schätzen.

Auch den Bauunterhalt und die Betriebskosten halten wir durch die kompakte Schottenmassivbauweise, einen energetisch sinnvollen Fenster – und Glasflächenanteil, durch robuste Materialien in allen Bereichen und die wartungsfreie Faserzementfassade im unteren Bereich.
Das vertikale Fassadenraster wählen wir in erkennbarer Anlehnung an die Fassadengliederung der Gebäude Uni West, ein weiteres verbindendes Element zur Nachbarschaft ohne Einbuße der Eigenständigkeit.

Das ökologische Freiraumkonzept Uni West setzen wir fort. Durch offene Hofräume zwischen den Gebäuden und deren Durchlässigkeit in Ost-West-Richtung verzahnt sich der öffentliche Grünraum tief mit dem Privaten, ein weicher, fließender Übergang trotz klar definierter Baulinie.
Wir schaffen Außenbereiche mit Aufenthaltsqualität für vielfältige Nutzungen. Aktivflächen für  Sport, Spielbereiche, Grillstellen, Treffpunkte, Vertiefungen und Erhebungen, Schattenflächen unter Bäumen, eine Vielfalt an Rückzugs- und Erholungszonen, ebenso Landschaftsmulden als kleine Retentionsbecken für die Oberflächenentwässerung. Jedem Gebäude ordnen wir harmlos eine mit Schotterrasen in die Freifläche integrierte Kfz-Parkierungsfläche vor, bis zum Bau der zukünftig geplanten Verbindungsstraße zum Tierforschungszentrum vorerst über ein schmales Wegeprovisorium erschlossen, begleitet von Einzelbäumen in Reihe.

Insgesamt ein Konzept städtebaulicher Verzahnung mit seiner Umgebung, ein Wohnkonzept mit Blick auf Gemeinschaftliches, kostengünstig in der Realisierung, wirtschaftlich in Betrieb und Bauunterhalt.


Daten:

Auslober:Studentenwerk Ulm 
 Anstalt des öffentlichen Rechts 
Wettbewerbsart:Verhandlungsverfahren nach VOF 
Jahr: 2010 
Team: Peter Fink 
 Claudia Habrik 
 Günter Perl 
 Daniele Ricci 
Objektadresse: Albert-Einstein-Allee 
 89081 Ulm