Haus Schmid, Giengen


Das 2005 fertiggestellte Wohnhaus Wohnhaus Schmid platziert sich selbstbewusst in Giengen a.d. Brenz zwischen der bestehenden Villa Steiff - erbaut Ende des 19. Jahrhunderts - und der Villa Hähnle - erbaut Anfang des 20. Jahrhunderts.

Doch nicht die historische Nachbarschaft macht dieses Wohnhaus zum gebauten Ort großzügiger Privatheit, vielmehr das in drei Geschosse zonierte Flächenangebot, eine klare auf wechselnde Bedürfnisse vorbereitete Grundrisskonzeption und die dieser Haltung folgenden Erscheinung in Form, Materialwahl und Proportion.
 
Die raumhoch verglaste Basis mit Gruppen- und Serviceraum bezieht das umgebende Grundstück als Teil des wahrgenommenen Flächenangebotes mit ein. Der Wohnraum über die gesamte Hauslänge öffnet sich vollständig nach Süden und Westen und gibt im Norden den Blick auf die benachbarte Villa Hähnle frei. Offene Küche, Foyer mit Treppe, Toilette und großer Abstellraum komplettieren das Flächenangebot im Erdgeschoss. Die große Lärchenholzterrasse erweitert dieses Flächenangebot im Außenraum. An der Schnittstelle der städtebaulichen Verschwenkung ankommender Bebauungsstrukturen lehnt sich das Wohnhaus mit Garage an die Östliche, die Terrasse durch ihre Verdrehung an die Westliche.

Die beiden Obergeschosse, identisch organisiert, bieten Platz für acht gleichwertige Individualräume, erschlossen je über eine große Diele mit Oberlichtverglasung. Dazwischen sind Treppe, Toilette, Bad und Hauswirtschaftsraum organisiert.

Der nichttragende Innenausbau erlaubt hier die dem Entwicklungsstand der Familie angepasste Grundrisskonfiguration. Das Untergeschoss ergänzt das Raumangebot mit einer angemessenen Fläche an Abstell- und Lagerräumen.

Die Architektur folgt der Grundrissstruktur. Die beiden Obergeschosse  massiv umhüllt  bilden durch eine mit raumhohen Fenstertüren und zweiflügeligen Läden rhythmisierte Fassadengestaltung eine Einheit. Dieser präzise geschnittene Kubus ruht fast schwerelos auf dem verglasten Basisgeschoss, dessen Fassade durch die wiederkehrenden Fenstertüren aus den Obergeschossen geteilt ist. Proportion, Materialwahl und einfache, doch präzise Details sorgen für die unaufdringliche Noblesse des kubischen Volumens.

Tragende Außenwände in Ziegelbauweise, teilweise durch zierliche Stahlstützen aufgelöst und zwei Stahlbetonstützen im Innern bilden das Tragsystem. Der gesamte Innenausbau folgt konstruktiv den sich verändernden Raumanforderungen und ist somit nichttragend. Sämtliche Geschossdecken bis hin zur flachen Dachdecke sind massive Ortbetondecken.

Heller, glatter Putz, anthrazitfarbene Holzmetallfenster mit Stahlfensterläden fügen das Gebäude ganz selbstverständlich in die Umgebung ein und verleihen diesem gleichzeitig eine eigenständige Eleganz. Geschliffener Terrazzo und ein Hartholzdielenboden bestimmen im Innern den wertigen Ausbau. Die kompakte Bauform, das abgestimmte Verhältnis von geschlossenen und verglasten Flächen in Verbindung mit hochwertiger Außenwanddämmung bilden die Voraussetzung für die gute Gesamtenergiebilanz.

Die Qualität des Grundstücks in Nachbarschaft zu den Villen Steiff und Hähnle, der Abstand des Solitärs zu diesen, die Architektur des Bauwerks, die ein besonders familiäres Leben durch seine Raumfunktionen ermöglicht, eine Spur Repräsentation, wertige Materialien, gute Bauausführung und vor allem der persönliche Stil machen das Wohnhaus in Giengen zum Ort gebauter Großzügigkeit.


Veröffentlicht:

Die Villa 
 Gebauter Ort großzügiger Privatheit 
 Holger Reiners 
 Deutsche Verlags-Anstalt ISBN: 10-3-421-03523-7
Deutsches Architektenblatt 4/2006 
Wechselraum des Bund Deutscher Architekten BDA in Stuttgart 
 im Rahmen der Ausstellung Ausgezeichnete Häuser 
 und ein Gartenschwimmbad vom 12.05.2006 - 02.06.2006 
 Ausstellungskatalog ISBN 3-89986-080-2 
Der Bauherr 6/2006 
 Compact Verlag GmbH, München 


Auszeichnungen:

Auszeichnung Guter Bauten 2005 
 Bund Deutscher Architekten 
 Landesverband Baden-Württemberg 
 Kreisgruppe Ostwürttemberg 
Beispielhaftes Bauen 
 Architektenkammer Baden-Württemberg 
 Landkreis Heidenheim 1999-2005 
Auszeichnung beim 
 Architekturpreis der Reiners Stiftung 2006 
 Reiners Stiftung, Hamburg 
 

Daten:

Bauherr: Raphaela und Olaf Schmid 
Wohnfläche:275 m² 
Nutzfläche Garage: 40 m² 
Nutzfläche Keller: 76 m² 
Grundstück: 1.208 m² 
Tragwerk: IB Mahler, Weißenhorn 
HLS: IB Bohnacker, Schelklingen 
Freianlagen: Mühlich, Fink & Partner, Ulm 
Fertigstellung: 2005 
Fotos: Martin Duckek, Ulm 
Team: Peter Fink 
 Günter Perl 
Objektadresse: Karlstraße 33 
 89537 Giengen Brenz