Wohnquartier Wennfelder Garten, Tübingen

Offen und durchlässig, klar und kompakt, flächen- und energieeffizient, variabel und zukunftsfähig – der neue Siedlungscharakter am Wennfelder Garten

Wichtig ist uns das Leitbild einer „Grünen Siedlungsstruktur“ und damit auch der konsequente Erhalt des Quartiersprägenden Baumbestandes. Dies gelingt mit einer offenen, versetzt positionierten Zeilenbebauung mit differenzierten Hauslängen. Entgegen der bisherigen Bebauung entsteht ein städtebaulich prägnantes und klar sortiertes Gesamtensemble, eigenständig und gut vernetzt mit seiner Umgebung, formuliert als Bindeglied zwischen dem Französischen Viertel und der südlich des Tilsiter Weges anschließenden Siedlungsstruktur. Beide Seiten des Wennfelder Gartens verbinden sich zu einem wahrnehmbaren Ganzen.

Die Zeilenbebauung fädeln wir an einem durchgehenden Boulevard auf, ein stabiles verbindendes Prinzip. Dieser ost-west-gerichteter Boulevard ist Siedlungsmittelpunkt mit hoher Aufenthaltsqualität und offene Wegeverbindung zugleich, nord-süd-verlaufende Wege verbinden ihn mit dem Französischen Viertel und der südlichen Nachbarschaft. Er vernetzt über den Wennfelder Garten hinweg die beiden Quartiere, die Bushaltestelle positionieren wir konsequent im Zentrum. Im Osten führen wir ihn über zwei maßstäbliche Quartiersplätze hinweg in die offene Landschaft.

Die Zusammengehörigkeit beider Seiten und die Verbindung zum Französischen Viertel betonen und verstärken wir am Kreuzungspunkt Eisenhutstraße, Wennfelder Garten und Panzerstraße. Das bislang reine Verkehrsgelenk entzerren wir durch die Verschwenkung der Panzerstraße und formulieren einen Stadtplatz mit baulichem Rücken, der Zugleich der Eisenhutstraße einen definierten Abschluss bietet. Idealer Standort für gewerbliche Nutzung im Erdgeschoss. Auch das Wennfelder Gartenhaus siedelt an diesem Platz richtig!

Mit unserem offenen städtebaulichen Konzept vermeiden wir eine Stigmatisierung der Bewohner des kostengünstigen Mietwohnungsanteils gegenüber Bewohnern des Miet- und Eigentumswohnungsanteils durch erkennbar differenzierte Gebäudekonzepte. Gleiche Gebäudetypologien, gleiche Gebäudeausrichtungen, die gemeinsame Erschließung vom Quartiersboulevard garantieren ein spürbar hierarchiefreies Gesamtquartier für alle Bewohner, verbinden statt abgrenzen, ohne auf die Option einer Parzellierung und Privatisierung von Einzelgrundstücken verzichten zu müssen.

Die Einzelgebäude sind robust und Alltagstauglich organisiert. Die einladenden und geschützten Eingangszonen leisten mehr als die bloße Erschließungsfunktion, wir bilden großzügige Entrees die auch zu Trefforten für die Hausgemeinschaften werden. Jedes Gebäude bildet sich aus zwei Hausgemeinschaften, die wir über große Dachterrassen verbinden, ein idealer Platz des zusätzlichen Miteinanders.

Den angestrebten Mix von unterschiedlichen Wohnungstypen und -größen entwickeln wir von einem Kern aus Treppenhaus und angrenzender Zweizimmerwohnung. In beide Richtungen können 2-, 3- und 4-Zimmertypen folgen, auch jeweils unterschiedlich in beiden Hausgemeinschaften. Durch die bewusst gewählte Durchmischung entstehen differenzierte Gemeinschaften von Single- bis Familienwohnen, soziale Vielfalt anstelle sortierter Monostruktur.

Einfachheit, Klarheit, Kompaktheit kennzeichnen unsere Gebäudetypologie, ganz nebenbei eignet sie sich ideal zur Weiterentwicklung mit unterschiedlichen Architekturen. Ein für alle verbindendes Element sind die vor den Südgiebeln positionierten Energiefassaden. Als horizontal weitergeführte Pergolen über den Dachterrassen akzentuieren sie in Verbindung mit ein- bis zweigeschossigen Gebäudeüberhöhungen die neue Siedlung.
Gute Belichtung und Besonnung, Ost-West-Orientierung und erlebbare Verknüpfung mit den differenzierten Grünbereichen garantieren hohe Wohnqualität trotz knapper Grundrissgrößen für alle Wohnungen!

Jeder Wohnung ordnen wir einen Kfz-Stellplatz in analog den Hochbauten abschnittsweise realisierbaren Tiefgaragen und einen gedeckten Fahrradabstellplatz auf der Basisebene in Nähe der Hauseingänge zu.


Daten:

Auslober: GSW Sigmaringen
  GWG Tübingen
Wettbewerbsart: Mehrfachbeauftragung
Jahr: 2011
Team: Peter Fink
  Claudia Habrik
  Klaus Abele
  Niklas Mühlich
  IB zieher - technic, Ulm
Presse: Schwäbisches Tagblatt 19.03.2011 
  Schwäbisches Tagblatt 05.03.2011 
Objektadresse: Wennfelder Garten, Eisenhutstraße,
  Tilsiter Weg, Tübingen