Neubau Sparkasse Ulm

Die Gebäudeflucht des geplanten, westlichen Neubaus an der Neuen Straße führen wir fort, ebenso die Arkaden, knicken exakt an der nach vorne projizierten Ostfassade der Synagoge ab und folgen danach der Gebäudeflucht des gegenüberliegenden Münstertors. Neben der damit erreichten städtebaulichen Signifikanz lenken wir von Westen kommend den Blick ungestört auf das bestehende Sparkassengebäude in der Neuen Mitte und verschränken beide Seiten der Neuen Straße.
Den kleinen Platz am Kopf des zukünftigen Sparkassengebäudes präzisieren wir räumlich mit der neuen, zum Gebäude Neue Straße 70 parallelen Raumkante, die genau die Erdgeschossecke des Münstertors aufgreift. Die erforderlichen Abstände zu den Fahrbahnrändern bleiben dabei gewahrt. Den Vorbereich am Eingang weiten wir durch lotrechte Verdrehung der Fassade zur Sattlergasse und schaffen einen geschützten Bereich unter den Arkaden. Diese Fassadenflucht entwickelt sich aus der Grenze zwischen den Gebäuden Sattlergasse 8 und 6.
Exakt gegenüber den Gebäuden Sattlergasse 4 und 6 verengen wir die Sattlergasse auf 10m, den Gehweg führen wir über diese Strecke ebenfalls unter Arkaden. Den Giebel des Steuerhauses stellen wir frei und bilden hier durch Weitung und Versprung zusammen mit der Synagoge einen kleinen Stadtraum, der die Bedeutung der Gebäudeecke Sattlergasse 2 unterstreicht.
Die Fassade folgt mit 9m Abstand parallel zur Synagoge dem Weinhofberg und endet exakt mit der Flucht der westlichen Gebäudekante der Synagoge. Hier organisieren wir die gesamte Anlieferung. Die Fuge zwischen den Gebäuden Neue Straße 58/60 und 66 verengen wir Richtung Norden auf 6m, so dass entlang der Neuen Straße trotz zweier differenzierter Baukörper ein zusammenhängendes Gesamtensemble ohne unmaßstäblichen Bruch wahrnehmbar wird.
Mit gleicher Sorgfalt und Wertschätzung gegenüber der Nachbarschaft passen wir unser Gebäude in der dritten Dimension in die vorgefundene Umgebung ein.

Die Höhe der Synagoge ist hierbei Ausgangspunkt aller Überlegungen. Einerseits wollen wir keinesfalls die Weinhofkulisse mit Synagoge durch einen höheren Hintergrund beeinflussen, andererseits soll die Synagoge mit Ihrer Höhe in die Neue Straße hinein wirken, auch als respektvoller Hinweis auf ihren historischen Standort.

Ein westlicher Gebäudeteil der sich in seiner Höhenentwicklung dem Weinhof zuwendet, ein östlicher der sich durch Höhe und Grundrissfigur als Kopf mit der Neuen Mitte verbindet. Dazwischen der zur Sattlergasse gestaffelte Gebäudeteil, der sehr maßstäblich auf die traufständigen Nachbarn reagiert.
Aus der der Umgebung abgeleiteten Höhenstaffelung entwickeln wir auch unsere Fassade. Die Höhe der Arkaden des westlichen Nachbarn führen wir präzise fort und schaffen ein wahrnehmbar verbindendes Basisgeschoss, das im Kopf die Überhöhung als Kundenhalle nutzt und sich im Westen in zwei Ebenen teilt und so auf die topografischen Gegebenheiten reagieren kann.

Darüber drei Bürogeschosse, die Attika nimmt die Brüstungshöhe des Gebäudes Neue Straße 58/60 auf, gleichzeitig Höhe der Synagoge. Diese Höhe betonen wir auch im überhöhten Kopf, vergleichbar den Arkaden im Erdgeschoss arbeiten wir hier mit zweiachsigem Stützenrhythmus, betonen damit gleichzeitig die hier angesiedelte Sondernutzung Casino mit großer Dachterrasse im Süd-Westen.

Die Bürogeschossfassaden zeigen das Ausbauraster und betonen so die ausgesprochene Funktionalität der Grundrisse.
Zwei große Lichthöfe durchdringen die tiefen Grundrisse und schaffen attraktive Belichtungszonen im Inneren. Die beiden Treppenhäuser positionieren wir ebenfalls am Licht, eine uns wichtige Qualität.

Im Kopf nutzen wir den Hof auch zur Belichtung und zusätzlichen Überhöhung der Kundenhalle, hier verbinden wir die Halle zusätzlich mit dem ersten Obergeschoss, eine einläufige Treppe führt in den Bürobereiche mit erhöhtem Kundenverkehr.

Der Grundriss ist klar strukturiert und wird allen gestellten Anforderungen gerecht, funktionale Zusammenhänge sind richtig gebündelt, die Erschließung ist übersichtlich und schafft kurze Wege, die autarke Abendnutzung ist gewährleitet. Den Andienung lösen wir mit großer Sorgfalt. Eine elegant in das Gebäude integrierte Ladezone nimmt sämtlichen Anlieferverkehr inklusiv schweren Lastfahrzeugen auf und mündet in der zusätzlich geschützten Geldgarage und einem großen, befahrbarem Anlieferraum. Von hier aus werden über den Serviceaufzug sämtliche Lieferströme bedient, auch die Casinoandienung funktioniert hervorragend über diesen Warenweg. Ebenso die Geldübergabe, Geldbearbeitung bis hin zur darrüberliegenden Kasse und Technik SB Kasse.

Die Tiefgarage ist sehr kompakt organisiert, vier versetzte Halbetagen nehmen die 60 breiten Pkw- und 10 Motorradstellplätze auf. Die innere Verbindung zum Nachbarn Neue Straße 58/60 ist optimal gegeben, wir empfehlen zur Realisierung der insgesamt 100 Stellplätze jedoch zwei weitere Halbgeschosse, wirtschaftlicher und einfacher ist dies nicht lösbar. In den weiteren Untergeschosszonen siedeln Zentralarchiv, Aktenvernichtung, technische Zentralen, Lager und Fahrradraum und selbstverständlich gelingt hier auch die Verbindung zur öffentlichen Tiefgarage Neue Mitte.

Als Fassadenmaterial schlagen wir eine helle, großformatige Glasfaserbetonplatte vor. Als vorgehängte, hinterlüftete Fassade erreichen wir in Zusammenhang mit den geplanten, innen wie außen bündigen Doppelkastenfenstern eine hervorragende Wärmedämmeigenschaft, diese gewährleisten gleichzeitig einen hohen Schallimmissionsschutz und einen verlässlichen Sonnenschutz bei allen Wetterlagen.

Naturstein überlassen wir der Synagoge, Ziegel dem westlichen Nachbarn, Sichtbeton dem Sparkassengebäude am Hans-und-Sophie-Scholl-Platz, Putz dem historischen Bestand, Metall kann es hier nicht sein und ganz nebenbei besticht das Material durch seine Langzeitbeständigkeit, Belastbarkeit, Individualität und Authentizität.

Die Freiflächen führen wir allseitig ans Gebäude, der Kopf steht auf dem Belag der Neuen Mitte, entlang der Neuen Straße der Gehwegbelag und im Süden das neue, einheitliche Granitpflaster ohne Hervorhebung der Fahrbahnen, zwischen den Gebäuden eine kombinierte Treppen- und Rampenanlage. Die Dachflächen belegen wir der Fassade folgend mit Glasfaserbeton, eine präzise geschnittene Ansicht vom Münsterturm.


Daten:

Auslober:Sparkasse Ulm
 Neue Straße 66
 89073 Ulm
Wettbewerbsart:
Planungsgutachten
Jahr:2011 
Team:Peter Fink
 Claudiea Habrik
 Klaus  Abele
 Daniele Ricci
Objektadresse:Neue Straße 66, Ulm