Haus Rebholz, Ulm

Lebenform / Raumstruktur
 
Das Wohnhaus der Familie Rebholz wurde als Mehrgenerationenhaus entwickelt mit vier nahezu identischen Hausteilen, die über einen gemeinsamen, sehr geräumigen Vorraum erschlossen sind.
 
Jede Hauseinheit sollte autark von einem der inzwischen erwachsenen Familienmitglieder bewohnt werden. Eine freie und eigenständige Entfaltung auf individuellem Territorium mit der selbstverständlichen Möglichkeit des Austausches und der Kommunikation unter einem Dach lag als Konzept der Planung zu Grunde. Hilfreich für diese Überlegungen war, dass sowohl Frau Rebholz mit ihrer Familie als auch der planende Architekt gemeinsam von sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen und Beobachtungen ausgehen konnten, wonach Rückzug und soziale Integration ein Wechselspiel darstellen, das elementare Bedeutung für jede Art von Gemeinschaft hat. Die Architektur sollte als wesentlicher Bestandteil des Gelingens dazu beitragen - das war die Bedingung.

Vier Einheiten waren geplant; davon sollte eine Einheit als ''Gemeinschaftshaus' dienen. Während der Planungsphase wurde dann festgelegt, dass das Modell zunächst ohne Gemeinschaftshaus erprobt werden und der Wunsch nach Gemeinsamkeit über die individuellen Einzelhäuser gesteuert werden soll. Die baurechtliche Option für die 4. Einheit besteht und sie ist auch technisch sehr einfach vorbereitet.

Inzwischen ist klar geworden, dass gleichzeitig für die 3. Lebensphase eine gut funktionierende Wohngemeinschaft für das Leben und Wohnen im Alter entstanden ist; wiederum ein Modell, auf das sich Frau Rebholz jetzt schon freut und mit Neugierde das Gelingen beobachten will.

Im Erdgeschoss ist der eher öffentlichere Bereich mit Küche eingerichtet, der kommunikative Teil im Privaten. Im Obergeschoss ist mit Schlafraum (Alkoven), Bad und Arbeitsbereich (Studierzimmer) die zweite Stufe der Privatheit garantiert.

Der sogenannte Vorraum oder auch Windfang genannt ist der räumliche Ausdruck für Gemeinsamkeit mit entsprechender Weite, die nicht verpflichten, aber einladen will; gleichzeitig ein sehr praktisches Element für Fahrräder, Schirme, Stiefel, Garten- und Blumentisch und andere Dinge.

Hausform

Das flach geneigte Dach auf orthogonaler Grundrissschiene überdeckt von Nord nach Süd alle Wohneinheiten und kragt aus als Schutz über der Terrasse im Süden. Die Prägnanz des zentralen Baukörpers wird mit freieren Formen ergänzt am Zugang und mit den vorgelagerten Freibereichen nach Westen.


Veröffentlicht:

- Ulm-Neu, Stadtraum und Architektur
 Hrsg. Stadt Ulm, Fachbereich Stadtentwicklung und Umwelt Bürgermeister Alexander Wetzig in Zusammenarbeit mit der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit  
 ISBN 3-88294-265-7


Daten:

Bauherr: Marianne und Karl Rebholz 
Wohnfläche: 290 m² 
Umbauter Raum: 1.344 m³ 
Grundstück: 1.565 m² 
Tragwerk: IB Helmut Röder, Ulm 
Generalunternehmer:Rapp, Ulm 
Fertigstellung: 1998 
Fotos: Martin Duckek, Ulm 
 Mühlich, Fink & Partner, Ulm 
Team: Wolfgang Mühlich 
 Jürgen Kohler 
Objektadresse: Mittlerer Kuhberg 37 
 89077 Ulm