Neubebauung ehem. Postareal, Biberach

Der viergeschossige Baukörper entlang der Eisenbahnstraße formuliert eine klare städtebauliche Kante und Rücken zum Omnibusbahnhof. Er reicht von der Ulmer-Tor-Straße bis zur Poststraße und reagiert auf die Straßenschräge baulich. Im Westen folgt eine eingeschossige Gebäudeverbreiterung, ebenfalls auf die gesamte Grundstückslänge. Daran anschließend folgt die durchgängige Parkplatzfläche, gleichermaßen von Süden und Norden erschlossen.

Der Erdgeschossgrundriss ist durch eine von beiden  Mietern gemeinsam genutzte Passage gegliedert, von beiden Seiten barrierefrei begehbar. Im Osten formulieren wir einen räumlich durch Arkaden aufgeweiteten öffentlichen Vorbereich, wichtig für den Zugang zum Lebensmittelmarkt und Postbank, aber auch wichtig als großzügiger Bereich für die einzige Straßenüberquerung Richtung Omnibusbahnhof und anschließendem Fuß- und Radwegenetz.

Wichtig ist uns auch die bauliche Fassung der Tiefgaragenrampe und der Marktanlieferung im Nord-Westen. Beides integrieren wir in den eingeschossigen westlichen Bauteil, im Norden mit einem großen, von der Gehwegkante zurückgesetzten Tor gestalterisch hochwertig gefasst. So vermeiden wir einen dem innerstädtischen Ort keinesfalls gerecht werdenden Hinterhofcharakter, vielmehr gestalten wir auch die Westfassade zum Parkplatz in sehr sorgfältiger Art und Weise.

Die Passage lässt sich in beide Nutzungseinheiten individuell durch raumhohe Glasschiebeelemente integrieren, vollständig geöffnet oder teiloffen entsteht hier ein attraktiver Vorbereich. Im Norden schließt an die Verkaufsfläche die Anliefer- und Lagerzone an, dazwischen positionieren wir den Metzger mit eigenem Außenzugang vom Parkplatzbereich. Der Markt erhält zusätzlich einen Nebeneingang über das nördliche Treppenhaus, das südliche Treppenhaus dient incl. dem hier vorgesehenen großzügigen Aufzug der Kundenverbindung vom Markt in die Tiefgarage. Die notwendigen Fluchtwegtüren im Markt integrieren wir beidseitig sehr hochwertig in die Fassadenfläche und schaffen damit maßstäbliche Zäsuren.

Die Postbank bildet den südlichen Kopf, dreiseitig großzügig verglast wirkt sie einladend in den öffentlichen Raum. Die Kundenfläche im Erdgeschoss ist über eine interne Treppe und wenn notwendig optionalen Aufzug mit dem Obergeschoss verbunden. Die hier angesiedelte Bürofläche ist als Modul unseres Boarding-House-Grundrisskonzeptes entwickelt - also auch zusätzlich extern im Obergeschoss erschlossen - somit ist die maximale Flexibilität und Drittverwendungsmöglichkeit gewährleistet.

Die drei Boarding-House-Geschosse sind durch ihr durchgängiges Grundriss- und Fassadenraster klar strukturiert. 14 2-Zimmerstudentenappartements, 15 2-Zimmerwohnungen, 7 3-Zimmerwohnungen und eine 3-Zimmerbetreiberwohnung siedeln entlang des durchgängigen Laubengangs, insgesamt also 37 Wohnungen mit 2.250m² Wohnfläche. Alle Wohnungen sind über eine raumhohe Verglasung Richtung Westen orientiert und verfügen über die gesamte Wohnungsbreite über eine Loggia. Das nördliche Treppenhaus dient der Haupterschließung incl. Aufzug, das südliche dient als zweiter baulicher Rettungsweg, könnte jedoch ohne weiteres ebenfalls zur Erschließung genutzt werden.

Die im Norden über eine zweispurige Rampe erschlossene Tiefgarage mit 96 Stellplätzen ist durchgängig zweihüftig organisiert und garantiert auch im Untergeschoss eine hohe Wirtschaftlichkeit. Die notwendigen Technik- und Nebenräume finden ebenfalls im Untergeschoss Platz. Insgesamt stehen mit den 48 Stellplätzen im Erdgeschoss 144 Stellplätze zur Verfügung.

Mit Respekt vor den umgebenden denkmalschützten Gebäuden entwerfen wir unsere Fassaden. Das Thema der teilweise pilasterförmigen Gliederungen greifen wir auf und interpretieren es neu. Wir entwickeln eine tiefe - in der Farbfamilie von Vorgefundenem - durchgefärbte Betonfertigteilstellage als rhythmisierende Fassadenstruktur. Mit diesem „Fassadenfilter“ schaffen wir eine wohltuend gleichmäßige Gesamtfläche über alle Bereiche hinweg, gleichzeitig gewährleistet diese tiefe Filterschicht trotz hohem Glasanteil den gewünschten Blick- und Sonnenschutz.

Kerngedämmte, durchgefärbte Außenwände in hochwertiger Architekturbetonqualität, Betonfertigteilstellage, Fertigteilhohlwände im Inneren, Fertigteilstützen und Betonfiligrandecken in Zusammenhang mit nichttragenden Gipskartonwänden gewährleisten eine äußerst wirtschaftliche und zeitoptimierte Bauweise. Der kompakte Baukörper mit den im Mittel angemessen dimensionierten Fensterflächen ist durch das erreichte A/V-Verhältnis energieeffizient, die durchgängige Robustheit  tut für einen wirtschaftlichen Betrieb und Unterhalt ihr Übriges, Nachhaltigkeit garantiert!



Daten:

Auslober:Wilhelm Geiger GmbH&Co.KG
Wettbewerbsart:Mehrfachbeauftragung
Jahr:2014
Team:Peter Fink
 Philipp Fink
Objektadresse: Eisenbahnstraße
 88400 Biberach