Kinder- & Familienzentrum, Neckarweihingen

Auf Augenhöhe

 

Die Standortprägende Symbiose aus Kulturdenkmal und bestehendem, mächtigem Baum muss erhalten bleiben, so unsere Überzeugung!

Eine räumlich erlebbare, maßstäbliche Hofsituation zu schaffen, Eingang und Aufenthaltsort zugleich, so unser Ziel. Der gesamte Neubau – nicht nur der Verbindungsbau - darf die Traufhöhe des Bestandsgebäudes nicht überschreiten, muss sich räumlich unterordnen, muss sich aus der ausgeprägten Topografie entwickeln, Außen- und Innenräume verschmelzen, dennoch ein hohes Maß an Eigenständigkeit  formulieren, so unsere städtebauliche Anforderung. 

Die Nutzungsschichtung ist klar geordnet: Elternbereich des Familienzentrums im Basisgeschoss Altbau, Kinderbereich 0-3 im Basisgeschoss Neubau gegenüber, darüber Kinderbereich 3-6 in beiden Gebäudeteilen, alles verbunden mit einem volltransparenten Gelenk. Im Dach bleibt Raum für Wohnungen oder alternative Nutzungen, separat erschlossen über das bestehende Treppenhaus.

Die Außenzugänge folgen dieser Klarheit: Haupteingang vom Hof markiert vom bestehenden Baum, gegenüber die Anlieferung, separater Eingang in den Elternbereich an reaktivierter historischer Stelle auf vorgelagertem Sockel, Nebeneingang ins bestehende Treppenhaus vom Hof, Außenzugang Beratungsraum über geschützte Nische und Zugang zum Fahrradraum im Sockelgeschoss Altbau.

Die baulichen Eingriffe im Kulturdenkmal beschränken sich auf das Notwendigste, wenige Mauerdurchbrüche in historischen Wänden, reduziert auf Türbreite, alle neuen Wände als leichte, transparente Raumabschlüsse mit farbigen Filzvorhängen auf Türsturzhöhe, so dass die schützenswerte Deckenkonstruktion mit ihren Eisenträgern erlebbar bleibt. Die Fassade bleibt erhalten, eine energetische Ertüchtigung erfolgt in den Bereichen Brüstungsnischen, Dach und Kellerdecke, neue Kastenfenster garantieren neben der energetischen Aufwertung den Erhalt der schlanken historischen Fensterprofile.

Den zweigeschossigen Neubau entwickeln wir aus vorgefundener Traufhöhe und Gebäudebreite des Kulturdenkmals und stellen ihn exakt gegenüber, eine Haltung des Respekts vor dem historischen Bestand wie wir meinen. Grundrissstruktur, Fassade und die Auseinandersetzung mit der Topografie garantiert dennoch ein hohes Maß an Eigenständigkeit, beide Bauteile begegnen sich auf Augenhöhe. Der zentrale Lichthof und die schützenden Fassadennischen im Südosten prägen die wahrnehmbare Raumabfolge und formulieren den Übergang in die vielfältig differenzierten Freibereiche die sich um und auf dem Gebäude entwickeln. Befestigte Spielflächen und Holzdecks im Wechsel mit Grünbereichen, Sitzstufen, Nischen, eine Höhle und eine Pergola mit beweglichem Sonnenschutz, eine räumlich gefasste Loggia zum Hof garantieren für beide Altersbereiche ein individuelles Angebot an unterschiedlich erlebbaren Außenbereichen.

Geölte Hölzer, Glas und farbiges Textil prägen die Innenräume, die Fensterflächen folgen dieser Haltung, mit einer raumhohen, rhythmisierenden Holz-Pfosten-Riegel Konstruktion gelingt ein weicher Übergang ins Freie und der fast spielerische Kontrast zur Ziegel-Lochfassade des Kulturdenkmals.


Daten:

Auslober:Stadt Ludwigsburg
 Wilhelmstraße 11
 71638 Ludwigsburg
Wettbewerbsart:Realisierungswettbewerb
Jahr:2014
Team:Peter Fink
 Claudia Habrik
 Max Authenrieth
Objektadresse: Neue Straße 62
 71642 Ludwigsburg