Zentralparkplatz und Tiefgarage, Kulmbach

Funktionalität und Raumqualität

 

Der zentrale Platz im Norden der Altstadt von Kulmbach ist zunächst geprägt von zwei Funktionen: einerseits Raum für den ruhenden Verkehr, sowohl ober- wie auch unterirdisch, andererseits Festplatz für das alljährliche Bierfest, den Höhepunkt im Veranstaltungskalender der Stadt Kulmbach. Insbesondere letztere Funktion verhilft dem Platz zu einer herausragenden Stellung im Stadtgefüge.

Ziel der Umgestaltung ist es, neben der optimalen Erfüllung der angesprochenen Nutzungen auch eine darüber hinaus reichende Qualität als wichtigem städtischen Platzraum zu erzielen und den scheinbare Widerspruch zwischen nüchterner Funktionalität und ansprechender urbaner Raumqualität soweit als möglich aufzulösen.

Zunächst werden die Hauptfunktionen auf der Fläche des Zeltplatzes zur Deckung gebracht, die als Karree klar ablesbar ist. Die robuste Gestaltung dieser Fläche mit großformatigen Betonplatten im Raster 2,50 x 5,00 m zeigt den funktionalen Charakter offen, erzeugt aber gleichzeitig eine angenehme Großzügigkeit. Die Fassung mit einem umlaufenden Leuchtband verleiht der Fläche zusätzlich eine gewisse Noblesse, die sich insbesondere auf den umlaufend über die Zeltfundamente gestellten Bänken empfinden lässt. Zwei Reihen Fahrradbügel ergänzen die Funktionen auch für Radfahrer und dienen gleichzeitig als Begrenzung der Parkstände.

Dieses starke Karree des Fest- und Parkplatzes wird auf zweierlei Art und Weise in den gesamten Platzraum eingebunden. Einerseits wird es gestalterisch in einen einheitlichen Stadtboden eingelegt. Das richtungslos im sog. Flechtverband verlegte Natursteinpflaster bildet als großflächige Matrix auf dem gesamten Platz ein angemessenes Gegengewicht zum eigenständigen Festplatz.  Es verbindet alle umliegenden Nutzungen des Platzes, schließt auch die Mehrzweckhalle im Nord-Osten ein und leitet in die südliche Altstadt über.

Zum anderen fasst ein Rahmen aus Bäumen den Festplatz räumlich auf drei Seiten und lässt gleichzeitig die baulich attraktive Platzwand im Süd-Westen offen. So entsteht ein künftig stärker grüner und dennoch städtischer Platzraum. Im Wechsel zwischen den Bäumen gestellte Leuchten unterstützen die neue Qualität der Vorzonen vor den umliegenden Gebäuden und laden zum Verweilen.

Die intensiven Verkehrsbeziehungen auf der Nord-Ost-Seite des Platzes werden durch eine zusätzliche Baumreihe abgepuffert, die gleichzeitig die Bushaltestelle vor der Halle gegenüber dem fließenden Verkehr abschirmt.

Die ablesbare Zeltfläche ist deckungsgleich mit der neuen zweigeschossigen Tiefgarage. Einerseits ist die flächenreduzierte TG-Erneuerung für die zukünftigen Baumstandorte unverzichtbar, andererseits bietet die Erneuerung aber auch finanzielle, konstruktiv technische und funktionale Vorteile.

Die Erschließung erfolgt über die bestehende Tiefgarage Stadthalle. Von hier aus führen wir eine zweispurige Rampe ins zweite Untergeschoss, wobei auch das erste Untergeschoss über eine Bypassrampe direkt angebunden ist. Beide Ebenen sind über in den Verkehrsfluss integrierte Rampen untereinander optimal verbunden. Das obere der beiden Decks steht während der Bierwoche dem Zeltbetrieb als Funktionsfläche zur Verfügung, das untere Deck bleibt dabei als Parkfläche in Betrieb. Die Anbindung an die Platzfläche erfolgt an gewohnten Stellen.

Übersichtlich, kompakt, langlebig, wirtschaftlich!


Daten:

Auslober:Stadt Kulmbach
 Oberhacken 4
 95326 Kulmbach
Wettbewerbsart:Mehrfachbeauftragung
Jahr:2014
Team:Peter Fink
 Niklas Mühlich
 Schegk Landschaftsarchitekten, Haimhausen
Objektadresse: Grabenstraße, Klostergasse
 95326 Kulmbach