Neubebauung Vincentius-Areal, Konstanz

Zwei räumliche Schwergewichte prägen den Ort.

Zum Einen die historische Bausubstanz mit dem ehemaligen Vincentius-Stift, dem Alexander-von-Humbold-Gymnasium und der  Schottenkapelle, zum Anderen der beeindruckende Großbaumbestand im Freibereich des Gymnasiums, dem Schottenplatz, der seitlichen Freibereiche des  Vincentius-Stift und der umgebenden Straßenräume Untere Laube und Schottenstraße. Durch die Krankenhausbauten Mittelbau B, Neubau C sowie dem Tiefhof ist der Zusammenhang dieses einmaligen Ensembles vollkommen zerstört worden, der Baumbestand durchschnitten.

Die historischen Gebäude bei all Ihrer unterschiedlichen Mächtigkeit in spürbaren räumlichen Dialog zu bringen und gleichzeitig den parkartigen Baumbestand zu einem erlebbaren großen Ganzen zu verknüpfen ist unser Ziel!

Den Geist der vorbildlich offenen Wegeverknüpfung Ost-West über den Schottenplatz hinweg machen wir uns hierbei zum Vorbild, wir bieten auch im Wohnquartier eine Vielzahl von halböffentlichen Wegebeziehungen Ost-West, Ein-, Aus- und Durchblicke garantiert!

In einer straßenbegleitenden, geschlossenen Bauweise mit einer der Umgebung vergleichbaren Traufhöhenentwicklung im Äußeren und drei diese VI-geschossige Randbebauung um zwei Geschosse überragende Punkthäuser im Inneren sehen wir die einmalige Chance diese Ziele zusammen mit der ebenfalls aus der Umgebungsbebauung abgeleiteten Baudichte zu erreichen.

Die Gebäudefluchten der südlichen Umgebungsbauten und des Humbold-Gymnasiums im Norden bildet konsequent die äußere Raumkante Ost und West. Ganz selbstverständlich ergibt sich daraus der Gebäudeknick entlang der Unteren Laube. Die Gebäudetiefe leiten wir aus dem Eckrisalit des Humbold-Gymnasiums und des südlichen Eckgebäudes ab, im Westen folgen wir diesem Maß und verjüngen den Baukörper lotrecht zum Vincentius–Stift um die Schottenkapelle mit der ihr zustehenden Bedeutung in den Gesamtraum einzubinden.

Im Süden führen wir die beiden Langhäuser messerscharf bis zur nördlichen Gebäudeflucht des Vincentius–Stifts, das Gebäudeende im Norden definiert sich durch die erforderliche Abstandsfläche an der Grundstücksgrenze.

Als Gebäudefluchten der drei quadratischen Punkthäuser im Inneren nehmen wir sowohl den Mittelrisalit des Humbold-Gymnasiums als auch den Abstand der beiden Seitenflügel des Vincentius–Stifts auf, eine starke Verknüpfung mit wechselndem Rhythmus aus Gebäude und Lücke wie wir meinen.

Diesen Rhythmus zeigen wir auch nach außen, zweigeschossige Ausschnitte als Durchgänge und zwei- bis viergeschossige Einschnitte gliedern die Langhäuser und verknüpfen sie strukturell mit den Punkthäusern, zusammen mit den Baufluchtbeziehungen zu den Bestandsgebäuden ein unverrückbares und durchlässiges Ensemble an einmaligem Ort, Urbanität und Grünraum verschmelzen zu einem Ganzen.

Auch die vorgefundene Fassadenstruktur, Fassadenmaterialität und Farbigkeit der Bestandsbauten nehmen wir als Referenz für die Neuankömmlinge und entwickeln diese weiter.

Lochfassade an allen Bauteilen! Bei den Langhäusern dreiseitig mit schmalen, hohen Formaten und einseitig stark transparent mit gliedernden, hohen Flügeln. Bei den Punkthäusern vierseitig als durchgängiges Band mit Brüstung, im Loggienbereich aufgelöst. Jeweils mit feinen, horizontalen Steinlisenen gegliedert sind die Langhäuser vergleichbar dem Vincentius–Stift und den umgebenden, straßenbegleitenden Gebäuden verputzt, die Punkthäuser sind in Anlehnung an das Humbold-Gymnasium und die ausgeprägten Steingesimse und -lisenen des Vincentius–Stift steinverkleidet, eine weitere Stärkung des Gesamtensembles, ein konsequenter Schritt im Dialog der in Beziehung stehenden Einzelbauten Alt und Neu.

Die Inselgasse bildet die Hauptverbindung vom zukünftigen Wohnquartier zur Altstadt und zum See. Konsequent ist die Durchlässigkeit der Randbebauung im Süd-Osten am Höchsten, zwei jeweils zweigeschossige, breite Durchgänge signalisieren das Entree. Gleichzeitig ist hier der ideale Ort für Gewerbeflächen, Präsenz im Stadtraum garantiert! Die zwei rundum transparenten Gewerbeeinheiten im Erd- und ersten Obergeschoss – selbstverständlich auch koppelbar – stehen im räumlichen Dialog mit dem in Zukunft weitestgehend mit Gewerbenutzung belegtem Vincentius–Stift. So wird auch ein substanzschonender Umbau des Bestandsgebäudes bis hin zum Erhalt von historischen Details realistisch möglich.

Im östlichen Langhaus Richtung Schottenplatz positionieren wir ab dem Hochparterre das preisgedämpfte Wohnen, darüber auf ganzer Länge die geförderten Wohnungen und im obersten Geschoss Penthouse-Wohnungen. An der Nord-Ost-Ecke bieten wir über die beiden obersten Geschosse zwei Vierzimmer-Wohnungen mit einer gegenüberliegenden eigenständigen Kleinwohnung, hier entwickelt sich Raum für Generationenwohnen.

Im Langhaus West ist reichlich Platz für Familienwohnen, die großen erdgeschossigen Wohnungen auf Platzebene öffnen sich in einen geschützten, attraktiven Freibereich im Westen, hin zur ruhigen Schottenstraße und von dieser mit einer Mauer - in Teilen historisch – getrennt.

Zwei Stadthäuser unter dem viergeschossigen Gebäudeeinschnitt mit separatem Zugang vom Platz ergänzen das Wohnungsangebot, Vielfalt in unterschiedlichen Lebensphasen garantiert!

Die Grundrisse der drei kompakten Punkthäuser bieten hohe Flexibilität, hier sind sowohl Zwei-, Drei – als auch Vier-Zimmer-Wohnungen mit großzügigen Eckloggien je Etage möglich, ganz nach Marktbedarf! In den obersten Geschossen ergänzen unterschiedlich große Penthouse-Wohnungen das Wohnungsmix.

Die Qualität der Freiräume ist uns gleichermaßen wichtig! Zwischen Humbold-Gymnasium und Vincentius–Stift entsteht eine großzügige, wahrnehmbar zusammenhängende Platzfläche. Die Grenzen sind fließend, räumliche Abgrenzungen sind tabu ohne die einzelnen Territorialanforderungen zu negieren. Ein gelungenes Zusammenspiel zweier privater Platzflächen zu einem großen Ganzen, ein urbaner Grünraum mit hoher Aufenthaltsqualität!

Der Wechsel zwischen Stein- und Rasenflächen, gliedernden, niedrigen Heckenstreifen, rhythmisierenden, bündig in den Belag integrierten Pflanzflächen – Feuerwehrüberfahrbar – Großbäumen, strauchartigen Felsenbirnen, Sitzbänken, ganz selbstverständlich integrierten Kinderspielzonen sind im Zusammenspiel mit einer Poller- und Bodenstrahler Außenbeleuchtung Garant für  hohe Freiraumqualität vom Konzept bis zum Detail!

Der Verzicht auf oberirdische Kfz-Stellplätze unterstreicht diesen Qualitätsanspruch. Ebenso finden sich im Hof keine störenden Überdachungen oder Einhausungen für Fahrräder. Neben wenigen Besucherfahrradstellplätzen vor einzelnen Hauszugängen bündeln wir alle Kfz- und Fahrradstellplätze in den beiden Unter- und Tiefgaragengeschossen die im Nord-Osten von der Unteren Laube aus erschlossen sind. Hier finden sich auch alle erforderlichen Abstell-, Technik-, Müll- und Nebenräume, in sinnvoller Gruppierung der jeweiligen Hauseinheit zugeordnet.

Die individuellen und prägenden Besonderheiten des Ortes sind zu einem unverwechselbaren Bebauungs- und Grünraumkonzept mit hoher Identität, sowohl städtebaulich, gestalterisch und funktional weiterentwickelt, ein einmaliger urbaner Wohnstandort mit vielfältigem Bewohnermix!



Daten:

Auslober:Vincentius-Krankenhaus AG
 Untere Laube 2
 78462 Konstanz
Wettbewerbsart:Investoren- und Planungswettbewerb
Jahr:2015
Team:Peter Fink
 Niklas Mühlich
 Max Authenrieth
 Klaus Abele
Objektadresse: Schottenplatz
 78462 Konstanz