Akademie für Kommunikation, Ulm

Offen - In erster Reihe

Der eigenständige Ergänzungsbau an der südlichen Ecke der hier kriegsverletzten Oberen Donaubastion leistet zweierlei:

Zum Einen markiert er kommend aus Richtung Neu-Ulm signifikant den südlichen Ulmer Stadteingang und positioniert sich somit selbstbewusst in erster Reihe, womit diese wichtige Raumkante entlang der Donau an städtebaulicher Bedeutung gewinnt.
 
Zum Anderen schließt er das mit neuem Leben gefüllte Quartier räumlich ab, bietet jedoch gleichzeitig den wünschenswerten, von beiden Seiten klar erkennbaren Außenbezug und eine der Stelle angebrachte Durchlässigkeit.
 
Die rechtwinklige Verdrehung der fünf außerhalb der historischen Baulinie quer gestellten Obergeschosse befördert beide Ziele gleichermaßen. Die von norden kommende Bebauung führen wir profilgleich linear fort und nehmen dabei die historische Traufhöhe als Attikaoberkante unseres zweigeschossigen Langhauses auf. Den beschädigten, notdachgedeckten Gebäudeteil der zukünftigen Kontikiheimat tragen wir ab, reparieren diese Stelle nicht mit beschönigendem Walm, zeigen hier vielmehr die kriegsbedingte Schnittkante. Wie selbstverständlich verbindet sich gerade dadurch schützenswerter Bestand mit neuformuliertem Eckgebäude.
 
Dieser Grundhaltung folgen wir auch beim Anschluss an den bestehenden Kindergarten im Osten. Durch das Abdrehen der Obergeschosse stellen wir beide Gebäudeteile frei und entwickeln somit einen baumbestandenen Ort mit Aufenthaltsqualitäten. Nicht ein hermetischer Verschluss begrenzt somit den Innenraum der Oberen Donaubastion, unsere Antwort ist die überbaute Durchlässigkeit.
 
An dieser Schlüsselstelle positionieren wir konsequenterweise auch den Gebäudezugang, der mit einem über Eck sichtbaren, schwellenfreien zweigeschossigen Foyer auch Signalwirkung nach außen abstrahlt und somit als großzügiges Entree der hochwertigen Nutzung gerecht wird. Die erzeugte Nutzungs- und Belegungsvielfalt hält den sich wandelnden Anforderungen stand. Die Teilbarkeit in auch kleine Einheiten ist je nach Marktbedürfnis ohne weiteres möglich, die bestandsergänzende Belegung durch Kontiki in den Neubau ist gegeben, eine zusätzliche räumliche Ausdehnung dieser Nutzung in beiden Geschossen ebenfalls. Die jeweiligen Nebenraumzonen werden im Anschluss an den kompakten Treppenhauskern organisiert.

Die vorgeschlagenen Fassaden folgen unserer konzeptionellen Haltung, sind jedoch nicht als technoide Modeerscheinung formuliert, sondern suchen mit dem Thema Lochfenster im monolithischen Baukörper ihren Bezug zum historischen Bestand.
 
Urteil der Gutachtersitzung
 
Die Verfasser schlagen eine 2-geschossige Verlängerung des Hauses 4/1 entlang des Bismarckringes vor. Durch einen 6-geschossigen senkrecht dazu stehenden Abschluss wird ein Stadttor überzeugend definiert. Mit ca. 1.780 m² Nutzfläche bietet der Verfasser ausreichend Fläche an. Das 2-geschossige Tor wird positiv bewertet. Kritisiert wird der enge Abstand des Baukörpers zum Kinderladen hin. Eine Reduzierung des Baukörpers zur Vergrößerung des Abstandes soll überprüft werden.


Daten:

Auslober:  Projektentwicklungsgesellschaft mbH, Ulm 
Wettbewerbsart: Städtebauliches Gutachterverfahren 
Jahr:  2005 
Team:  Peter Fink 
  Klaus Abele
Objektadresse:  Schillerstraße 
  89073 Ulm