Freie Katholische Schule, Heilbronn

Four In One – Schule der gleichen Augenhöhe
 
Grundlage des gemeinsamen Handelns in der neuen Katholischen Freien Schule Heilbronn stellt die Marchtaler-Plan-Pädagogik dar, benannt nach dem Ort Kloster Marchtal der hohe Bedeutung im Wirken der Katholischen Freien Schulen darstellt.
Eduard Mörike schreibt: "Ein Ort inmitten der herrlichsten Landschaft.“
Ein Ort der Klarheit, ein Ort mit Ausstrahlungskraft, ein Ort der Konzentration und der Kontemplation.
Die Kraft dieses Ortes auf das von baulichen Einflüssen unterschiedlicher Qualitäten umlagerte Grundstück zu übertragen leitet unsere Konzeptfindung. Nicht die Rekonstruktion, vielmehr die Interpretation von Qualitäten macht dies möglich.
 
Strukturelle Klarheit im Gesamten
Wir formulieren drei Nutzungszonen mit sich von der Stuttgarter Straße zur vorhandenen Wohnbebauung hin abnehmender Betriebsamkeit.
Sport – Bewegung und Lärm als äußere Schicht, die durch ihre Lage die geplante außerschulische Nutzung einfach ermöglicht und weder Schule noch Wohnbebauung akustisch belastet.
Schule – im Mittelpunkt mit einer harten Seite des Schutzes und einer weichen Seite der Vernetzung.
Landschaft – als innere Schicht, ein Ort der Ruhe für Schule und Wohnbebauung gleichermaßen.
Damit gelingt das Einfügen in die Umgebung, einer Umgebung vielfältiger Maßstäbe, nicht durch bauliche Reaktion auf Vorhandenes, sondern als strukturelle Antwort auf das Diffuse.

Strukturelle Klarheit im Einzelnen
Sport
Die um ein Geschoss abgesenkte Sporthalle nutzt die vorhandene Topographie und schafft an stadtzugewandter Stelle einen gefassten Zugangshof für Schule und Sporthalle. Sowohl die Aufstellflächen für Fahrräder, geschützt vom auskragenden Dach, als auch die notwendigen KFZ-Stellplätze sind hier sinnvoll positioniert.
Der Hallensport in der Basis wird vom lärmverursachenden Außensport baulich geschützt umgrünt überlagert und erzeugt so neben der vorhandenen Baumreihe eine straßenbegleitende Kante.
Der gesamte Bedarf an Außensportflächen ist auf dieser Fläche angeboten, so dass die westliche Landschaftszone von störenden Emissionen freigehalten wird. Eine Mitbenutzung als zusätzlicher Pausenhof oder für Sonderveranstaltungen im Freien ist problemlos möglich.
Schule
Sechs Einzelgebäude, davon fünf Alters- und Jahrgangsstufenhäuser für je zwei Jahrgänge in Reihe bilden hierarchiefrei Höfe mit jeweils hoher Qualität. Entlang des schützenden Rückens zur Stuttgarter Straße bildet sich so schulartunabhängiges Miteinander, die angestrebte Belegung unterschiedlich benachbarter Altersstufen wird problemlos ermöglicht.
Das nördliche Kopfgebäude am Zugangshof bündelt die Verwaltungs- und Ganztagesbetreuungsangebote. Die quergespannte, zum Eingang öffenbare Aula bietet durch ihre Position trotz fehlender Eingangshalle ein großzügiges Entree, Zugang und Ausblick in den Innenhof unterstreichen diese Geste.
Das Fachklassenangebot in den beiden Basisebenen ergänzt sich durch Außennutzung der Höfe.
Die Jahrgangsstufenhäuser, am südlichen Kopf als Grundschule mit eigener Zugangsmöglichkeit, bieten mit je 8 Klassenzimmer einen maßstäblichen Schülerverbund.
Ein hohes Maß an Außenbezug über die Höfe zum Einen auf Klassenzimmerseite im Süden, zum Anderen auf der Nordseite, wo erschließungsflurbegleitend zonierte Frei- und Stillarbeitsflächen mit zusätzlichen Rückzugsboxen angeboten sind, verbindet auf überraschend einfache Weise die verschiedenen Altersstufen in zwei Richtungen.
Das Angebot gerade dieser gleichen Qualitäten hinsichtlich Belichtung, Besonnung und Orientierung erscheint uns ein zusätzliches geeignetes Mittel für eine Schule der gleichen Augenhöhe.
Landschaft
Als Ort der Stille und Konzentration versteht sich der zwischen Schule und Wohnnutzung angelegte Birkenhain. Den identitätsstiftenden Naturbezug zu allen Lern- und Arbeitszonen herzustellen, die Vernetzung von Schule und Natur ist ein wichtiges Ziel unserer Arbeit.
Der von Westen kommende Grünzug erhält auf selbstverständliche Weise seinen Endpunkt.
Die stirnseitig auskragenden Obergeschosse bilden an der Geländekante zu den Höfen einen gedeckten Aufenthalts- und Pausenbereich innerhalb dieser Landschaft.
Die Aufenthaltsqualität dieses Ortes mit seinen vielfältigen Zonierungsmöglichkeiten lässt trotz diffuser Umgebung ein das dem Erziehungskonzept entsprechendes Schülerverhalten erwarten.
Technik und Material
Die technische Ausrüstung eines thermoaktiven Deckensystems zur Grundtemperierung für Heizen und Kühlen über Erdkollektoren mit ergänzenden Erdsonden ist angestrebt. Die Nacherwärmung / Nachkühlung erfolgt über Fernwärme, wenn möglich bzw. Absorbtionswärmepumpe.
Die in Teilflächen in die Stahlbetondecken eingelegte Akustikplatten optimieren in allen notwendigen Räumen die Raumakustik.
Südseitig außenliegende Leichtmetalljalousien mit Lichtleittechnik bieten effektiven Sonnenschutz.
Klinkermauerwerk und die robuste Materialwahl im Inneren unterstreichen die langfristige Wirtschaftlichkeit durch sparsamen Bauunterhalt.


Daten:

Auslober:Stiftung Freie Katholische Schule der 
 Diözese Rottenburg - Stuttgart 
Wettbewerbsart:Begrenzt offener Realisierungswettbewerb 
 mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren 
Jahr: 2004 
Team: Peter Fink 
 Claudia Habrik 
Objektadresse:Stuttgarter Straße / John-F-Kennedy-Straße 
 74074 Heilbronn