Neubau von 16 WE mit TG Hans-Felber-Weg, Biberach

Der Ort
 
Das neue Gebäudeensemble am Quartierseingang übernimmt Signalwirkung, eigenständig und in seinem Volumina gleichberechtigt der bestehenden Bebauung versucht es keine Verniedlichung am Gebietsrand, trägt vielmehr den vorgefundenen Maßstab in die erste Reihe und stabilisiert so die östliche Raumkante. Dadurch gewinnt diese wichtige Raumkante an städtebaulicher Bedeutung, die durch gereihte Garagen und zweigeschossiges Abtauchen verloren zu gehen droht. Die beiden Baukörper bilden aber auch in ihrem Inneren Raum, ein attraktiver baumbestandener Wohnhof auf dem oberen Niveau des Hans-Felber-Weges mit hoher Aufenthaltsqualität. Die Erschließungszonen vernetzen das Ensemble auf unverwechselbare Art mit der vorgefundenen Quartiersstruktur, negieren diese also nicht, sondern entwickeln aus dieser ihre Bedeutung.
Die offene Wegestruktur mit drei Zugängen unterschiedlicher Ausprägung sorgt für diese Verankerung:
Zugang West: Der von Westen kommende Wohnweg wird als Blickachse zum Hof und darüber hinaus aufgenommen und positioniert hier den Hauptzugang und die Hauserschließung.
Zugang Süd: Eine Außentreppe stellt hier an der Verschwenkung des Fuß- und Fahrradweges eine einladende Verbindung zwischen der Zufahrtsstraße Fünf Linden und dem Hofniveau her.
Zugang Nord: In Verlängerung des von Norden kommenden schmalen Gartenweges erfährt der Wohnhof einen schwellenlosen Zugang und öffnet auch hier den Hof zur Umgebung.
Unter Berücksichtigung der Geländesituation nutzen wir die "Hangkante" zur gebäudeverbindenden Unterbauung mit KFZ-Stellplätzen. Die Zufahrt erfolgt neben weiteren Stellplätzen im Freien unmittelbar am Beginn des Hans-Felber-Weges und sichert damit die hohe Aufenthaltsqualität des Wohnhofes.

Das Haus

Zwei dreigeschossige Gebäude mit schlankem Grundriss bieten in allen Wohnungen sämtlichen Aufenthaltsräumen eine lärmabgewandte Süd-West-Orientierung mit großzügig vorgelagertem Freibereich. Im Erdgeschoss erweitert sich dieser je in eine privat mitgenutzte Gartenfläche. Im Norden bilden zwei familiengerechte Maisonettewohnungen den Gebäudekopf, in dem auch der Aufzug installiert ist, der alle Ebenen incl. Tiefgarage barrierefrei erschließt. Sämtliche Wohnungen - nicht die beschriebenen Maisonetten - sind barrierefrei nach DIN 18025, Teil 2 geplant und tragen den zukünftigen Nutzern so optimal Rechnung. Der Gruppenraum ermöglicht in allen Wohnungen das "Durchwohnen“, so dass hier die Qualitäten beider Richtungen, also gemeinsamer Innenhof und Außenbezug erlebbar werden. Ein offenes und großzügiges Erschließungssystem unterstreicht diese Haltung. Zurückgesetzte Eingangsnischen zonieren hier zusammen mit den Übereckverglasungen der Küchen schwellenlose Wohnungszugänge. Im Untergeschoss der Häuser befinden sich selbstverständlich ebenfalls barrierefrei erreichbar die Abstellräume mit Trockenraum und die gemeinschaftlichen, zum Garageneingang orientierte Räume für Fahrräder, Müll und Technik. 16 KFZ-Stellplätze verbinden auf einfache und wirtschaftliche Weise die beiden Häuser. Zusammen mit den 4 Stellplätzen im Freien stehen insgesamt 24 Stellplätze zur Verfügung. Die Fassaden sind in Anlehnung an den Bestand in einheitlich heller Putzoberfläche geplant. Entlang der Erschließungsflächen schlagen wir die Ausführung von großformatigen Holzwerkstoffplatten vor, die im warmen Naturton Wegbegleiter zu den Eingängen darstellen. Die großzügige, raumhohe Verglasung im Südwesten ist weitgehend festverglast, die Formate sind sehr wirtschaftlich gewählt. Jedes Zimmer erhält einen Freiflächenzugang als Dreh- oder Schiebetür.

Der Hof

Der gemeinsame Wohnhof, der sowohl der Erschließung als auch dem Aufenthalt dient, somit also das Herz der Wohnanlage darstellt, erfüllt mit maßstäblicher Durchwegung, Freiflächen- und Platzgestaltung mit Hausbaum die wichtige Rolle der Identitätsstiftung für alle Bewohner.

Die Wohnung

Grundsätzliche Ziele:
Vielfältiges Nutzungsmix von Familien, Familienstarter, Paare als Wohnungsrückkehrer und Alleinlebende provoziert eine soziale Durchmischung und vermeidet Monostrukturen. Ausschließliche Süd-West-Orientierung aller Gruppen- und Individualräume mit raumhoher Verglasung und vorgelagerten, großzügigen Freibereichen. "Durchwohnen“ im Gruppenraum, jedoch mit Option räumlicher Teilbarkeit der Küchen bei Mieterwunsch. Erschließung der Individualräume über Verkehrsflächen, nicht über Gruppenraum. Barrierefreiheit nach DIN 18025, Teil 2


Daten:

Auslober:  Baugenossenschaft Biberach 
Wettbewerbsart: Gutachterverfahren 
Jahr:  2005 
Team:  Peter Fink 
  Günter Perl 
  Birgit Kroner
Objektadresse:  Hans-Felber-Weg 
  88400 Biberach