Eine-Welt-Kita Weißenhorn

Im Norden Weißenhorns, in unmittelbarer Nachbarschaft zur bestehenden Grundschule, dem Haus der Begegnung, dem Clarentinerkolleg, bestehenden und entstehenden Wohnquartieren, wird die Infrastruktur für die Bewohner um eine Kindertagesstätte und eine Sporthalle erweitert.
In zwei Bauabschnitten wird ein Ensemble entstehen, das die räumlichen Erfordernisse der Gebäude und der jeweils unterschiedlichen Anforderungen der Außenbereiche miteinander verbindet und dennoch vielfältige Schutzbedürfnisse garantiert, auch die der direkten Wohnnachbarschaft.
Klar geordnet stehen sich zwei kompakte Baukörper gegenüber, zwei großzügige Vorbereiche und eine grüne Mitte ordnen alle erforderlichen Funktionen in klar definierte, abgegrenzte und geschützte Bereiche. Zwei Adressen, zum einen die Kindertagesstätte im Osten, erschlossen von der Maximilianstraße, zum anderen die Sporthalle im Westen, erschlossen von der Claretinerstraße mit Zugang von der Grundschule, beide Gebäude verbunden über den späteren Weg beim vorgesehenen Parkplatz an der Nordseite des Grundstücks – alles selbstverständlich barrierefrei.
Die Unterstützung der Regierung von Schwaben durch die Förderung nach Art.10 BayFA sowie durch das Sonderinvestitionsprogramm „Kinderbetreuungsfinanzierung 2017-2021" ermöglichten die Kita als ersten Bauabschnitt zu erstellen und die dringlich geforderten Betreuungsplätze sicherzustellen.
Der Vorbereich an der Maximilianstraße empfängt nun Kinder und Eltern mit einem kleinen Hof, einem Baum, einer langen Bank zum Verweilen und Treffen, genügend Platz für Fahrräder und die neuen städtischen Parkplätze ergänzen das Flächenangebot, der emotionale, als auch funktionale Auftakt des Kitagebäudes. Im rechteckigen Grundriss bündeln wir Funktionsbereiche, im Süden die drei Krippenräume mit deren geschützten Außengruppen und den Schlafräumen, im Westen und Osten die Kindergartengruppen mit benachbarten Kleingruppen und ebenfalls geschützten Außenbereichen, im Norden der zonierte Speiseraum mit Küche, die Kindergartenleitung, der Personal- und Elternraum und die Sanitärräume im inneren Bereich. Alles verbunden über ein großzügiges Foyer mit Raum zum Treffen, Spielen, Rennen und Austauschen, Verkehrsflächen stets als Spielflächen nutzbar. Alle Bereiche verbunden durch Einblicke und Durchblicke und immer mit Blick ins Freie zu Wiesen, Bäumen und Himmel, Orientierung selbstverständlich und einfach.
Im Zentrum ein nutzbarer Hof mit Laubbaum, mit teilbarem Mehrzweckraum und einem ganz besonderen - fast mystischen Ort - als freie Form, nach oben strebend, sich nach oben verjüngend, gebündeltes Zenitlicht, ein einzigartiger Ort zum Staunen, zum Träumen, zum Konzentrieren, zum Lesen, zum Erzählen und Zuhören, kein Ort der lauten Töne, ein Ort der inneren Mitte, die Mitte in Weißenhorns neuer Kindertagesstätte. 
Der öffenbare Mehrzweckraum am Innenhof mit dem großzügigen Foyer erreicht einerseits eine große, zusammenhängend nutzbare Raumzone zum Spielen, Treffen und Kommunizieren, im Zusammenschluss mit dem Speiseraum auch ein großer Mehrwert für Veranstaltungen, andererseits stärkt dieser offene Bereich aber auch den besonderen Raum und dessen Kegelform in seiner Einzigartigkeit. Erlebbar die räumliche Atmosphäre dieser Mitte, ein Hof mit Naturbezug und essbaren Kräutern, ein Hof mit schönen Belichtungsqualitäten und der Schindelfassade, ein Hof zum Ruhe finden - eine Mitte der Sinne, ein Ort an dem Innen und Außen verschmelzen, wo Innen- zu Außenraum wird und umgekehrt.
Raum, den die Stadt Weißenhorn als zusätzliche Flächen für pädagogische Arbeit der Kita zur Verfügung stellt. Ausgerichtet auf eine offene, selbstbestimmte, erfahrungsreiche aber auch beschützte Zeit in der Kita.
Dann der Garten. Der Freibereich folgt der Haltung im Grundriss, räumlich konzentriert und gefasst als Mitte der beiden begrenzenden Gebäude Kita und Sporthalle. Großzügig zusammenhängend und dennoch kleinteilig gegliedert, thematisch und altersgerecht zoniert und differenziert bietet der Freibereich alle Spiel- und Erlebnisangebote, geschützt, teilweise überdeckt. Wichtig auch der akustische Respekt vor der südlichen Wohnnachbarschaft mit den lauten Aktivitäten im vom Wohnen abgewandten nördlichen Bereich.
Der umlaufende Überstand - im Süden und Westen mehrere Meter - des großen Daches schützt schattenbildend vor Überhitzung der Räume in den Sommermonaten, unterstützt durch die geführten Markisen an der Dachkante - ein ganzjährig nutzbarer verschatteter und regengeschützter Außenspielbereich als Mehrwert.
Die Konstruktion. Für die jeweiligen Themen die sinnvollsten und nachhaltigsten Materialien – Beton, für die tragenden und statisch notwendigen aussteifenden Teile auf schlechtem Baugrund, als Skelettbau für spätere Flexibiltät und Umnutzungsmöglichkeiten, modulare und somit austauschbare Holz-Glas-Fassadenelemente mit raumhohen Verglasungen, damit auch die Kleinsten den Außenraum erleben können und gleichzeitig die Rettungswege direkt ins Freie führen, geschützt durch die großen Dachvorsprünge, naturbelassene Lärchenholzverkleidungen und -schindeln aus den Wäldern Weißenhorns, cradle to cradle zertifizierte recyclebare Faserzementplatten von etex - produkt equitone, selbstverständlich eine Dachbegrünung und eine Photovoltaikanlage auch für die Allgemeinheit, Möbel, Beläge und Teppiche aus Naturmaterialien, Holzhackschnitzel aus Weißenhorner Wäldern als Fallschutz im Außenbereich, möglichst geringe Flächen versiegelt aus Terrassensteinen Redotto-RC von braunsteine aus recyceltem Beton und Mauerwerk mit „blauem Engel-Zertifikat“, eine Rigolenanlage welche das Regenwasser wieder dem Grundwasser zuführt – und alles zusammengefügt von Firmen aus der Region.
Die Kompaktheit des Gebäudes, die sinnvolle Verwendung von Materialien sowie die hervorragenden Werte der vorhandenen städtischen Fernwärme führen zu einem sehr geringen Primärenergiebedarf des Gebäudes. Eine maschinelle Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung minimiert zusätzlich die Lüftungswärmeverluste und sorgt für gute Luftqualität, unterstützt durch die Öffnungsflügel in der Fassade und öffenbaren Oberlichter für schnelle Querlüftung - sinnvoll und nachhaltig.
Umso schöner, dass das Gebäudekonzept geplant von Bauherren und Architekten von Offenheit, Nachhaltigkeit und respektvollem Umgang mit den Ressourcen auch im Einklang steht mit dem pädagogischen Konzept des Nutzers vom ASB Neu-Ulm e.V. – eine Kindertagesstätte offen für alle, mit Themenräumen für eine selbstbestimmtes Lernen, fair und global, Vielfalt und Diversität als Bereicherung für die Gesellschaft, ein Miteinander geprägt von Vertrauen, Respekt, Toleranz und Wertschätzung mit dem Ziel, dass sich die Kinder selbst als aktiv handelnde Mitgestalter der „Einen Welt“ wahrnehmen und verstehen - ein offenes Haus für eine offene Welt!

Bauherr:

Stadt Weißenhorn

Nutzfläche:

897 m²

Leistungsphasen:

1-9

Tragwerk:

Ingenieurbüro Mahler, Weißenhorn

HLS:

Ott Ingenieure, Langenau

E:

Ingenieurbüro Puscher, Schelklingen

Bauphysik:

Mehne Bauphysik, Waiblingen

Brandschutz:

mhd Brandschutz, Ulm

Freianlagen:

Mühlich + Partner, Ulm

Fertigstellung:

2023

Fotos:

Conné van d'Grachten, Ulm

 

 

Objektadresse:

Maximilianstraße 39
89264 Weißenhorn